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#planoderintuition#rucksackreisen#visonen

Umbruch

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Umbruch | story.one

Filippos war Grieche, mit schwarzen Locken und riesengroßen, grünen Augen. Ich verliebte mich sofort in diese Augen. Wir wurden bei unserer ersten Begegnung Liebhaber. Es war am Ende des ersten Semesters der Clownschule. Ich war bereits mit meinem Clown „La Luna“ auf der Bühne gestanden und befand mich in einem wichtigen Entwicklungsschritt meines Prozesses. Nun waren erstmal Semesterferien.

Meine Höhle wurde ein Liebesnest. Filippos und ich liebten uns acht Stunden am Tag für zwei Wochen lang. Ich erfuhr zum ersten Male spontan und intuitiv was „Tantra“ ist und verstand, warum so Viele so davon schwärmten. Es versetzte mich in einen Liebesrausch, ich war high auf Hormonen, als es mit der Clownerie in der „La Estupenda“ weiterging.

Voller Liebe und Vorfreude ging ich zur Schule, um eine Schreckensnachricht zu erhalten: Unser Lehrer war nicht mehr da, er hatte Probleme mit seinem Arbeitsvisum und war in Madrid um die Sache zu regeln.

Wir waren schockiert, es könne noch Monate dauern, bis er wieder kommen würde. Uns wurde ein Ersatzlehrer als Übergangslösung angeboten. Zähneknirschend nahmen wir das Angebot an. Doch es funktionierte für keinen von uns. Der Stil des neuen Lehrers war zu unterschiedlich von dem, was wir gewohnt waren. Unser Lehrer arbeitete mit einer Stunde physischem Aufwärmen, sein Spiel war körperlich und improvisiert wurde nur in der letzten Stunde der Klasse, auf der Bühne, vorzugsweise ohne Sprache. Der neue Lehrer war ganz anders, alles war auf Sprache aufgebaut, wir wärmten uns kaum physisch auf und improvisierten gleich zu Beginn Dialoge. Es war eine ganz andere Welt, in die er uns führte. Alle sehnte sich danach, unseren alten Lehrer zurückzuhaben. Nach drei Monaten erfuhren wir, dass er nicht wieder kommen würde, da er Arbeit in Madrid gefunden hatte.

An diesem Tag verlor die Welt ihre Farben für mich und die Stadt Granada ihre Magie. Plötzlich fragte ich mich, warum ich eigentlich hier war und in einer Höhle lebte. Alles schien mir fremd, ich erkannte meine Stadt nicht wieder. In diesem Zustand fragte mich Filippos, ob ich nicht mit ihm nach Rhodos kommen wolle, seine Familie habe dort einen kleinen Bauernhof mit Pferden am Strand. Vor meinem inneren Auge zeichnete sich ein wunderschönes Bild, emotional aufgeladen durch meinen Liebesrausch. Es schien viel farbenfroher, als das so plötzlich entzauberte Granada.

Impulsiv sagte ich Ja. Wir hatten eine spannende Reise mit vielen Zwischenstopps. Der Bauernhof auf Rhodos und die Pferde waren wunderbar, wir gingen jeden Tag reiten. Nach weiteren drei Monaten erwachte mit einem Hang Over von meinem Hormonrausch und fragte mich, warum ich mit einer griechischen Familie auf einem Bauernhof in Rhodos lebte? Wie war das geschehen? Es war eine harte Erkenntniss, am falschen Ort zu sein. Mit tränenreichem Abschied trennte ich mich von Filippos, und machte mich auf den Weg nach Spanien. Zweiter Versuch.

Ich hatte immer noch Süd Amerika als Ziel vor Augen.

© Miriam Strasser 2021-04-17

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