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Sirtaki in Berlin

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Sirtaki in Berlin | story.one

Als heranwachsende Frau verbrachte ich den Sommer 1997 mit Verwandten im griechischen Gouves.

Ein leichter Schatten auf meinem Herz flog mit nach Kreta. Denn ich trauerte noch immer meiner ersten grossen Liebe hinterher und hatte Mühe mit dem Loslassen und er teils auch.

Mein 19.Geburtstag wurde im Speisesaal von einer Überraschungstorte mit zahlreichen Kerzen gekrönt. Serviert von Janis.

Einem der Kellner. Ein Cretischer Traummann mit viel Herz und Humor. Wir wurden nach zwei Tagen ein "Sommerpaar". Die Verständigung fand über Zärtlichkeiten, Humor und im einfachen Englisch statt.

Wenn wir gemeinsam abends bei ihm aßen und er mir griechische Köstlichkeiten anbot, sagte ich schnell mal, zu schnell: «ne». Schon schob er mir lachend die Speise in den Mund und verschloss meine Lippen mit seinen. Nur wegen ihm kamen Sardinen und andere mir sonst verpönte Speisen in meinen Magen.

Wir redeten auch über die Zukunft und fanden beide schnell heraus, dass sein Platz in Griechenland ist mit einer griechischen Frau die sich um die vielen Kinder kümmern würde und meiner in Deutschland. Das setzte klare Grenzen für uns. Keiner machte sich Hoffnungen auf eine mögliche Zukunft. Vielleicht genossen wir genau aus diesem Grund eine ungezwungene Leichtigkeit.

Eines Abends standen wir am Strand von Gouves und Janis brachte mir etwas Sirtaki bei. Schon unser Grössenunterschied machte es komplex für mich und da Moana nach 10 Minuten müde wird, versenkte sie mit einem gezielten Querschläger, fachmännisch ihren griechischen Adonis im Sand…

Der Abschied war mit sonniger Wehmut, gegenseitigem Respekt und von leichter Verliebtheit gesprenkelt.

Zurück in Berlin gab es eine Party. Mein Ex tauchte auf. Hing mir förmlich an den Lippen. Bemerkte meine gebräunte Haut, meine Veränderung. Schmachtete das lange rote durchgeknöpfte Seidenkleid an. Kurze Zeit später fielen wir in seiner Wohnung übereinander her.

Doch seine Küsse schmeckten anders. Aufregend, aber nicht mehr vertraut und nicht mehr richtig. Schlussendlich konnte ich dies nicht, von einem zum anderen wechseln.

Ich stoppte ihn, richtete meine Wäsche und zog mein Kleid wieder über den Kopf. Erzählte ihm von Kreta. Alles.

Niemals habe ich ihn so verletzt und wütend gesehen. Er schmiss mich raus und sagte eiskalt «Es ist vorbei.»

Draussen atmete ich erstmal tief durch. Immer wieder murmelte ich :

"Es ist vorbei…"

Starkregen setzte ein und ich beschleunigte meine Schritte, fing an zu rennen.

Zum erstem Mal in meinem Leben fühlte ich mich wie eine richtige Frau.

Oberhalb der Berliner S-Bahnbrücke legte ich die Ballerina zur Seite, knöpfte mein Kleid auf. Einen Knopf oben und mehrere unten. Schickte Millionen Dankesküsse nach Kreta. Tanzte kurz den Sirtaki. Während der Regen zügelos auf mich nieder prasselte befand ich mich an einem griechischen Strand mit Janis….

Der Geruch der weiblichen Freiheit schmeckte nie süsser und tanzte sich nie authentischer, als in diesem Augenblick…

© Moana 2020-08-22

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