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- Kapitel 16 - Zu Hause

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- Kapitel 16 - Zu Hause | story.one

Du lächelst freudig, erleichtert. Dass sich das alles, was heute war, auch letztlich gelohnt hatte und der richtige Weg gewesen ist. Du schaust mich weiter an und wir beide schweigen nur. Weil das alles nicht in Worte zu fassen ist. Dieser eine besondere Moment, unser Moment hier zusammen in meinem Wohnzimmer, wo ich der Frau gegenübersitzen kann, die ich seit vielen Jahre bedingungslos liebe und das weiß sie nun endlich auch. Auch wenn du niemals verstehen kannst, was du alles für mich bist, denn das kann nicht in Worte, in einfachen Sätzen, gesagt werden.

Du lächelst weiter, streichst mir vorsichtig über meine Hand, die du gerade noch hältst. „Ich liebe dich Jenny und wusste nie so genau, wie ich dir das sagen sollte und ob ich es dir überhaupt sagen sollte. Immerhin kannten wir uns doch jetzt 30 Jahre. Wollte ich dieses Band zerstören? Was wir alles durchlebt hatten …einfach so weg durch meine Gefühle, die, wie ich dachte, nur einseitig wären?“

Du lachst daraufhin etwas, schaust zum Boden, schüttelst leicht deinen Kopf. „So warst du immer Chris …zu viel über alles nachgedacht, alles kaputt gedacht. Warum hast du es denn nicht einfach gemacht?“

Und das war wieder typisch Jenny. Nicht denken, handeln! Eines Tages wirst du nur die Dinge bereuen, die du nicht getan hast und nicht das, was geschehen ist. Aber das war nicht ich, das war immer typisch Jenny. Die Initiative selbst ergreifen, warten kann man lange. „Du hattest doch auch nie etwas gesagt.“

Du lachst daraufhin und setzt dich noch näher an mich ran, sodass zwischen uns fast kein Platz mehr ist. Während ich verunsichert bin von dem, was hier gerade passiert, schaust du mir lächelnd in die Augen und deine türkisen, die lassen mich aus dieser Welt entfliehen in eine, wo alles perfekt ist. Perfekt mit dir, hier bei mir. „Wie sollte ich denn auch nur irgendwas sagen, wenn ich immer eingenommen war von deinem kompletten Sein? Mit der Art und Weise, wie du zu mir warst. Mein bester Freund, Bruder und Beschützer in einem. Vereint in dem Mann, den ich über alles liebe und das konnte ich nie sagen. Ich konnte es nicht sagen. Ich konnte nicht sagen, dass ich dich liebe Chris. Ich konnte immer alles sagen! Aber …“

Vorsichtig legst du eine Hand an meinen Kopf, streichst mir mein Haar aus dem Gesicht und lehnst dein Kopf etwas zu Seite. Ich muss verlegen lächeln bei diesem Anblick und du versuchst dein Lächeln zu verstecken, aber trotz allem ist es klar sichtbar.

„Wenn ich in deine bernsteinfarbenen Augen schaute, vergaß ich das alles immer. Irrte irgendwo verloren umher und hätte ich was gesagt, dann wäre das nur zusammenhangslos gewesen. Warum hast du es denn nicht einfach gemacht?“

Auffordernd und fragend schaust du mich wieder an. „Das tun, was ich seit langem schon wollte, mir aber einfach nur immer verkniff? Meinst du das?“ Du lächelst, wartest auf meine Reaktion, auf eine Antwort und kommst mir nochmals näher.

„Mach einfach das, was du für richtig hältst, was sich für dich richtig anfühlt Chris …“

© Nadine Ahlfeld 2021-05-05

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