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Das Leben der Iban im Dschungel von Borneo

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Das Leben der Iban im Dschungel von Borneo | story.one

Bereits früh nahmen mich meine Eltern mit auf ihre Abenteuerreisen. Eine besonders intensive Erfahrung waren für mich drei Tage, die wir bei dem indigenen Stamm der Iban im Dschungel von Borneo lebten.

Früh am Morgen holte uns unser englischsprachiger Kontaktmann ‚Tiger‘ im Hotel ab und fuhr mit uns 5 Stunden durch Sarawak, bis wir an einem Flussufer hielten. Von dort aus ging es mit einem kleinen Motorboot weiter. Während es mit leisem Tuckern durch den braunen, Krokodil bewohnten Fluss glitt, genoss ich die exotischen Tiergeräusche des Dschungels. Nach 2 Stunden Fahrt entdeckten wir von Weitem die kleine Siedlung der Iban. Am Flussufer wuschen gerade einige Frauen ihre Wäsche und ihre nackten Körper. Der gesamte Stamm lebte gemeinsam in einem Langhaus auf hölzernen Stelzen. Privatsphäre gab es nicht, die einzelnen Familien waren nur durch Vorhänge voneinander getrennt. Die Ureinwohner hießen uns herzlich willkommen. Voller Stolz präsentierten sie uns die Skelettschädel ihrer getöteten Feinde, die als Trophäe an der Decke hingen. Die Iban waren bis Ende der 1960er Jahre Kopfjäger. Da sie glaubten, die Kraft des Feindes übertrage sich auf sie, wenn sie deren Köpfe abschnitten und aufhängten, symbolisierte die recht stattliche Anzahl der Totenschädel die immense Macht ihres Stammes. Uns zu Ehren wurde ein Fest abgehalten, das die Geschichte der Kopfjäger nachstellte. Nach einem rituellen Tanz zog der Häuptling seinen Kopfschmuck an, enthauptete einen Hahn, goss das Blut in eine Schale und trank daraus. Danach fand ein Hüpfspiel statt: Zwei lange Holzstöcke wurden abwechselnd auf den Boden und zusammengeschlagen. Wer am häufigsten dazwischen springen konnte, ohne mit den Füßen zwischen die Stöcke zu geraten, hatte gewonnen. Begeistert spielte ich mit und stellte sogar einen neuen Rekord auf. Damit gewann ich nicht nur das Spiel, sondern auch an Ansehen in den Augen der Iban. Stolz streichelte mir der Häuptling über den Kopf. Trotz Sprachbarriere freundete ich mich so mit den eingeborenen Kindern an.

Am nächsten Tag gingen wir mit ‚Tiger‘ und ein paar Männern auf die Jagd. Als Waffe diente ihnen ein Bambusblasrohr mit giftigen Pfeilen. Der Medizinmann wusste genau, welche Pflanze man essen und welche man als Gift einsetzen konnte. Die Milch des Kautschukbaumes ist etwa sehr genießbar. Zum Beweis bohrte er ein Loch in den Baumstamm und gab uns eine Schale voll zu trinken. Hauptnahrungsquelle war für sie der Reis, den sie selbst anbauten, ebenso wie Gemüse. Jeder Bestandteil des Regenwaldes hatte für sie eine Funktion und wurde genutzt – eine gesunde Mensch-Natur-Symbiose.

Von den Kameras, die mein Vater und ich dabei hatten, waren sie ganz fasziniert. Über unseren Dolmetscher erklärten wir ihnen, wie das Gerät funktioniert, schossen ein paar Fotos von ihren ernsten Mienen und ließen sie durch den Sucher blicken. Doch ich fand den Einblick, den die Iban uns in ihre Welt gewährt hatten, viel interessanter.

© Nina Waldkirch 2021-04-03

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