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#mut#veränderung#innovation

Arno Mairitsch - traut sich was

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Arno Mairitsch - traut sich was | story.one

Augen auf bei der Berufswahl! Wer sich fĂĽr Technik interessiert, soll auch einen technischen Beruf ergreifen, dann wird wohl nichts schiefgehen. Arno Mairitsch, der sich in der Selbstanalyse bis 15 liebevoll als jugendlichen Technik-Nerd bezeichnet, war bei der Firma Bosch bestimmt gut aufgehoben.

Er wird wohl Mitte 40 gewesen sein, als er immer intensiver darüber nachdachte, ob er nicht doch seinen Traum leben sollte. Vielen passiert das. Man nennt das die Midlife-Crisis. Meistens geht sie vorüber wie ein längerer Schnupfen, keine nennenswerten Änderungen. Wer gibt schon gerne sein Sicherheitsnetz auf, überhaupt wenn man Familie hat und Verantwortung trägt? Das Netz sichert dich, aber es hält dich auch ein wenig gefangen.

Beginnen wir mit einem Kompromiss. Man geht weiter arbeiten und baut im Nebenerwerb eine kleine Firma auf, verkauft E-Bikes, die man in seiner Garage präsentiert. Solange man wenig Umsatz macht, geht es problemlos, wenn die Geschäftstätigkeit größer wird, kommt ein Punkt, wo man Anstellung und Selbstständigkeit nicht mehr parallel schafft. Man muss sich entscheiden. Familienrat.

In der Praxis wird es wohl viele Gespräche gegeben haben, für meine Geschichte stelle ich mir ein entscheidendes Gespräch vor. Was geht einem durch den Kopf, wenn man seiner Familie erklären will, dass man es wagen möchte? Wie reagiert die Familie, die vielleicht schon länger gemerkt hat, dass die Frage kommen wird? Will man den Ehemann und Vater ermutigen, seinen Traum zu verwirklichen oder will man als Bremser oder gar Verhinderer in die Familiengeschichte eingehen? Denkt man an die persönliche Sicherheit oder die Selbstverwirklichung des anderen?

Ich stelle mir solche existenziellen Entscheidungen aufregend, aber auch schwierig vor und bewundere die Menschen, die sich im Leben etwas getraut haben. Als Beamter mit 37 Dienstjahren ist man völlig fassungslos, wenn man von jemandem hört, der Anfang 50 alles auf eine Karte gesetzt hat, den sicheren Job aufgegeben hat und sich in die Selbstständigkeit gewagt hat.

Wenn man Arno Mairitsch im Podcast darüber sprechen hört, fallen drei Dinge besonders auf: Er ist von seiner fachlichen Kompetenz überzeugt, verfügt über viel Kraft, innere Ruhe und auch Humor mit einer gewissen Gelassenheit und er ist sehr optimistisch. Von all dem muss man wohl viel haben, wenn man so einen Schritt in diesem Alter noch wagt.

Der Erfolg gibt ihm recht. Nächstes Jahr muss er schon ein größeres Geschäftslokal beziehen, und er hat mit den E-Bikes wohl auch auf die richtige Karte gesetzt. Sie sind umweltfreundlich, man braucht nicht lang nach einem Parkplatz suchen und sie gehen verblüffend schnell, sodass der Spaßfaktor nicht zu kurz kommt.

Das Wichtigste bei solchen Entscheidungen ist allerdings das Momentum. Man darf sie nicht zu früh treffen und irgendwann ist der Zug abgefahren, und es ist einfach zu spät. Dann schaut man nur verblüfft zurück und denkt sich: „Hätte ich doch…“

© Norbert Netsch 2021-10-30

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