skip to main content

#vertrauensvoll#podcasts#lösungen

Gerald Bischof – gute Politik

  • 106
Gerald Bischof – gute Politik | story.one

Viele Menschen verbinden gute Politik in jedem Fall mit der Politik, die ihrer Ideologie entspricht. So fühlen sich die meisten Menschen einem der bekannten Lager verbunden und neigen manchmal auch dazu, die Politik der Partei des betreffenden Lagers „parteiisch“ zu sehen.

Gerald Bischof ist Bezirksvorsteher und kein Politiker meines Lagers. Trotzdem finde ich, dass er gute Politik macht. Das ist im Bezirk natürlich einfacher, da es hier tatsächlich weniger um Ideologie geht, sondern mehr um pragmatische Lösungen für den Bezirk, die nicht selten von allen Parteien in der Bezirksvertretung einstimmig mitgetragen werden.

Besonders sympathisch finde ich, wenn ein Politiker nicht wie ein Parteisoldat immer die Meinung seiner Partei vertritt, sondern auch kritisch ist und so nicht in erster Linie an seine Karriere innerhalb der Partei denkt, sondern daran, was er für richtig hält. Darüber erzählt Gerald Bischof ganz unverblümt. Schon als Mitglied der Jungen SPÖ hat er sich gegen die in der Ära Kreisky propagierte Atompolitik gestellt.

Auch später ist er sich immer selbst treu geblieben und hat auch 2015 nicht die damalige Willkommenspolitik seiner Partei rückhaltlos unterstützt, sondern bei der Flüchtlingsaufnahme in seinem Bezirk vertretbare Grenzen gefordert, weil er wohl einer der Ersten war, der erkannt hatte, dass man mit der Aufnahme von zu vielen Flüchtlingen nur den rechten Parteien WählerInnen zuführt und eine gewaltige gesellschaftliche Spaltung riskiert.

Meine Erinnerungen an ihn reichen aber wesentlich weiter zurück. Vor rund 25 Jahren gründete ich als Lehrer einen Schulverein, der Computerkurse anbot, um einen Computersaal für meine Schule zu finanzieren. Gerald Bischof war damals Direktor der Volkshochschule Liesing und so traten wir mit ihm in eine direkte Konkurrenz, da die Volkshochschule ebenfalls Computerkurse veranstaltete.

Trotzdem durften wir bei einer Bildungsmesse in der Volkshochschule teilnehmen und hatten unseren Stand direkt neben dem der Volkshochschule. Wir brachten sehr stolz einen der ersten damals verfügbaren Videoprojektoren mit, um eine PowerPoint-Präsentation zu zeigen. Schon nach fünf Minuten gab unser Projektor den Geist auf, und wir waren entsprechend enttäuscht.

Gerald Bischof bemerkte das, verschwand kurz und kam mit einem riesigen Videoprojektor zurück, den ein Mensch kaum tragen konnte, und stellte uns diesen zur Verfügung. Vielleicht auch deshalb wurden unsere Kurse sehr erfolgreich, was Bischof immer gelassen sah und nur sagte: „Konkurrenz belebt!“

Wenn man mit seinen politischen MitbewerberInnen spricht, wird er oft wegen seiner Fairness gelobt.

Auf meine Frage, wie man eigentlich Bezirksvorsteher wird, antwortet er sehr bescheiden, dass man sich im Team einigen muss, wer diese Rolle übernimmt.

Man kennt doch von der Politik, dass gerne an Sesseln gesägt wird. An seinem nicht. Das spürt man, und man weiß auch, warum.

© Norbert Netsch 2021-08-21

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.