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#freiheit#weisheit#humor

Gerhard Loibelsberger - der Schriftsteller

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Gerhard Loibelsberger - der Schriftsteller | story.one

Da sitzt er mir nun im Podcast gegenüber: ein richtiger Schriftsteller. Ich schreibe auch sehr gern und veröffentliche meine Texte - als Schriftsteller will ich mich aber nicht bezeichnen. Was ich mache, können viele. Was Gerhard Loibelsberger macht, schaffen nur wenige: Er kann vom Schreiben leben. Verlage veröffentlichen seine Romane und tausende Menschen kaufen sie. Wo liegt der Unterschied?

Schon bei der Lektüre seiner Texte fällt mir auf, dass er wirklich gut mit Sprache umgehen kann. Als Deutschlehrer bin ich die Bewertung von Texten gewohnt und nur ganz selten schreibt jemand so, dass mir kurz der Atem wegbleibt, weil die Formulierungen so gut sind. Das gelingt manchmal sogar Schüler*innen, aber natürlich auch Erwachsenen.

Schreiben ist allerdings nicht nur Formulierungskunst, sondern auch Fabulierungskunst. Wer nichts zu erzählen hat, kann auch mit der schönsten Sprache nicht fesseln.

Gerhard Loibelsberger hat etwas zu erzählen. Er entwirft liebevoll Romanfiguren, die ihn über viele Jahre in unterschiedlichen Büchern begleiten und er interessiert sich für Geschichte und bettet seine Romane vor historische Hintergründe, die er akribisch recherchiert. Da steckt einerseits viel Originelles dahinter, andererseits werden auch bekannte und beliebte Muster des historischen Romans bedient.

Ein Grund für den Erfolg mag auch sein, dass der Kriminalroman ein sehr beliebtes Genre ist und wenn man das so gut beherrscht wie Gerhard Loibelsberger, dann stellt sich der Erfolg leichter ein als bei den vielen Autoren, denen es nicht so leicht fällt, Spannung zu erzeugen.

Der wesentlichste Grund für den Erfolg ist aber wohl ein anderer. Gerhard Loibelsberger ist das Risiko eingegangen und hat seinen sicheren Job aufgegeben, um sich ganz dem Schreiben widmen zu können. Das macht man nur, wenn man für eine Sache wirklich brennt und wenn man es auch unbedingt wissen will, ob man ein Schriftsteller ist oder nicht.

Natürlich gibt es in der Literaturgeschichte eine lange Reihe von Autor*innen, die berufstätig waren und nur nebenbei geschrieben haben. Manchen von ihnen ist es früher oder später gelungen, sich vom Brotberuf zu befreien, anderen nicht und darunter gibt es auch welche, die durchaus heute noch bekannt sind. Trotzdem bin ich mir sicher, dass gerade dieser Mut und diese Überzeugung vielfach den Unterschied machen. Wie will man andere überzeugen, wenn man nicht einmal selbst von sich überzeugt ist?

Den wahren Künstler macht auch aus, dass er sich immer wieder neu erfinden will, immer wieder etwas ausprobiert, was die mühsam gewonnenen Stammleser*innen vielleicht gar nicht nachvollziehen können. Gerhard Loibelsberger folgt nicht dem Muster, das einmal funktioniert hat und meint dazu nur: „Ich bin ja nicht Donna Leon. “ Es macht eben einen Unterschied, ob einem Erfolg oder künstlerische Entfaltung wichtig ist. Meine Bewunderung wird bei Zweiterm nur größer.

© Norbert Netsch 2022-07-14

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