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#mut#lebensfreude#liebe

Harald P. David - Psychiater und Kunstliebhaber

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Harald P. David - Psychiater und Kunstliebhaber | story.one

Kunst und Psychiatrie passen gar nicht so schlecht zusammen. Als naiver Betrachter von beidem denke ich das zumindest, könnte doch der Psychiater seine Expertise nĂŒtzen, indem er Biografie und Werk eines KĂŒnstlers studiert, um sie dann professionell zu analysieren.

Harald P. David sieht das viel einfacher, wie er mir im Podcast erzÀhlt. Er stellt in seiner Galerie aus, was ihm gefÀllt.

Was ist nun gute Kunst? Alle Autoren, die auf story.one schreiben, bemĂŒhen sich gute Geschichten zu schreiben. NaturgemĂ€ĂŸ gefallen den Leser*innen manche besser und manche weniger gut. Durch die Likes wird das mit einer wissenschaftlichen PrĂ€zision dargestellt. Ist nun die Geschichte mit den meisten Likes die beste, ist der Autor mit den insgesamt meisten Likes der beste Autor? Ohne Zweifel mĂŒssen die Likes etwas mit der QualitĂ€t der Geschichte zu tun haben.

Der Galerist hat es da nicht so leicht. Wie beurteilt man die Kunst eines Neuen, der sich vorstellen kommt, um vielleicht eine Ausstellung in der Galerie organisieren zu dĂŒrfen. Man sieht sich die Bilder an, spricht darĂŒber und muss eine Entscheidung treffen.

Das Kriterium auszuwĂ€hlen, was einem gefĂ€llt, ist untrĂŒglich und somit vollendet. Man kann sich in dem nicht tĂ€uschen, was einem gefĂ€llt und wenn es dann auch noch andere begeistern kann, ist das umso besser. Wenn nicht, hat es einem wenigstens selbst gut gefallen.

Sehr gut nachvollziehbar ist das Unangenehmste am Job des Galeristen fĂŒr Harald P. David: Wenn man einem KĂŒnstler mitteilen muss, dass einem seine Kunst nicht gefĂ€llt. Was fĂŒr ein Stich! Jemand vertraut einem das an, was er mit viel Herzblut geschaffen hat und von dem er ĂŒberzeugt ist, dass es in einer Galerie einen Platz verdient hĂ€tte, und man muss ihm sagen, dass es einem nicht gefĂ€llt. Mit hĂ€ngendem Kopf geht der KĂŒnstler davon.

Hoffentlich wird er weiter kĂŒnstlerisch tĂ€tig sein. Hoffentlich hat man ihm nicht sein kĂŒnstlerisches Selbstbewusstsein genommen.

Ist es allerdings ĂŒberhaupt gut, wenn ein KĂŒnstler, der so wenig kann - und Kunst leitet sich ja von Können ab, dass er andere nicht ĂŒberzeugen kann, weiter Kunst betreibt? Ist man nur dann ein KĂŒnstler, wenn man etwas ĂŒberraschend gut kann, das andere Menschen begeistert?

Ich glaube, man ist schon KĂŒnstler, wenn man nicht anders kann und Kunst einfach betreiben muss. Man lebt und verwirklicht sich in der Kunst, gefĂ€llt es anderen, ist das gut, gefĂ€llt es anderen nicht, muss es auch gut sein, weil es fĂŒr die AusĂŒbung der eigenen Kunst keine Rolle spielen darf.

Die Hoffnung bleibt, dass der nĂ€chste Galerist die Bilder vielleicht annimmt oder dass die nĂ€chste Geschichte vielleicht besser gefĂ€llt. Sollte man das nicht erleben und dann am Sterbebett das eigene Leben noch einmal reflektieren, gibt es genug Trost. Alle KĂŒnstler*innen, die zu Lebzeiten nicht geschĂ€tzt wurden und spĂ€ter doch weltberĂŒhmt wurden. Die Geschichte von Vincent van Gogh und vielen anderen könnte sich durchaus noch einmal wiederholen.

© Norbert Netsch 2022-07-16

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