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#mut#veränderung#neubeginn

Monika Halvax - die Trauerrednerin

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Monika Halvax - die Trauerrednerin | story.one

Es ist keine Kleinigkeit, den richtigen Beruf für sich zu finden. Hat man dann seine Wahl getroffen, überlegt man vielleicht, wenn man von einem anderen Beruf hört, dass der auch nicht schlecht wäre. Und dann passiert selten, aber doch, das Unglaubliche: Man springt ins kalte Wasser, verlässt den gewohnten Bereich und wagt etwas Neues.

Monika Halvax hat das gemacht und auch gut überlegt, wie sie im Podcast erzählt. Als Lehrerin für Deutsch und Musik kann sie gut vortragen, nebenberuflich singt sie in einer Band und ist es daher gewohnt, vor Publikum aufzutreten.

Wenn man den Beruf wechselt, ist es von großem Vorteil, wenn man Kompetenzen vom ersten Beruf auch beim zweiten nützen kann. Das ergibt sich bei Frau Halvax besonders günstig, weil sie auch als Trauersängerin arbeitet.

Der Beruf der Trauerrednerin erfordert unglaublich viel Empathie, eine Eigenschaft, die im Lehrberuf ebenfalls von großer Bedeutung ist. Bei einer guten Rede geht es nicht nur um die Wortwahl, sondern auch um den Aufbau und den Inhalt, der für die Hinterbliebenen gut passen muss. In Deutsch unterrichtet man, wie eine Rede zu verfassen ist, als Trauerrednerin macht man es. Da liegt kein großer Unterschied.

So gesehen ist dieser Berufswechsel ideal, besonders wenn man dem Lärm der Schule entkommen will und sich nach Ruhe und Spiritualität sehnt.

Monika Halvax liebt Biografien, wobei es ihr nicht nur um berühmte Menschen geht, sondern um ganz normale Leute wie du und ich. Auch aus deren Biografien kann man viel lernen, wenn man genau hinschaut. Das macht sie, wenn sie sich mit den Lebensgeschichten der Verstorbenen auseinandersetzt, um eine passende Rede zu verfassen. Wie schön muss es sein, wenn Neigung und Pflicht einander in diesem Beruf begegnen. Wie schön muss es sein, wenn man Menschen in dieser schwierigen Lebenssituation Trost spenden kann, indem man sie begleitet und berät.

Jede Trauerrede ist wie ein Bühnenauftritt, bei dem man sich vor Publikum bewähren muss. Einem Lehrer geht es da ähnlich. Jede Stunde ist eine kleine Vorstellung, wo man laufend spürt, wie sie ankommt.

Ich bewundere Frau Halvax sehr, die mit über 50 Jahren diesen Berufswechsel in Angriff nimmt und die Kündigung vom sicheren Lehrerjob plant. Es ist aber auch klar, dass sie ihre künstlerische Entfaltung im neuen Beruf besser leben kann als im alten und wenn ein Künstler in einem steckt, dann sollte man ihm Raum geben und nicht unterdrücken. Im schulischen Leben wird das immer schwieriger, weil der Lehrer mehr und mehr zum Sozialarbeiter werden muss und auf die freie Entfaltung seiner Vorstellungen nicht mehr so achten kann.

Man benötigt für den Lehrberuf viel Kraft, für den Beruf der Trauerrednerin aber sogar noch mehr. Wenn man mehrmals in der Woche mit Leid und Tod konfrontiert ist, muss man damit umgehen lernen. Ähnlich wie ein Arzt, der immer wieder Hiobsbotschaften mitteilen muss. Mit einer besonderen inneren Kraft schafft man das und wächst mit der Aufgabe.

© Norbert Netsch 2022-06-11

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