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#weisheit#liebe#vertrauen

Waltraud Kovacic und Robert Patocka erinnern

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Waltraud Kovacic und Robert Patocka erinnern | story.one

Man erinnert sich, man wird erinnert und man kann auch erinnern. Waltraut Kovacic und Robert Patocka machen letzteres mit großer Leidenschaft und Empathie, wie man im Podcast mit ihnen sofort spĂŒrt.

Sie erinnern an die GrĂ€ueltaten, die in der Nazizeit in ihrem Wohnbezirk Liesing passiert sind. Beide sind schon Ă€lter, aber nicht alt genug, um all das selbst miterlebt zu haben. Dennoch ist ihre Betroffenheit darĂŒber sehr groß. Dabei lĂ€sst doch die Betroffenheit bei den meisten Menschen mit der Zeit nach. Umso lĂ€nger etwas vergangen ist, umso weniger sind wir darĂŒber entsetzt, war es auch noch so schrecklich. Es erstarrt langsam zu historischem Stoff, dem man sich nĂ€hert und versucht zu verstehen. Wie ein Arzt kann auch ein historisch interessierter Mensch nicht mit allem, was er liest, seine Seele belasten, weil man das auf die Dauer einfach nicht aushĂ€lt.

Die beiden wollen mit ihrem Verein „Steine der Erinnerung“ nicht nur die Menschen berĂŒhren, sondern auch dazu beitragen, dass solch schreckliche Dinge nie wieder passieren. Wie kann man die Menschen nachhaltig erinnern? In diesem Fall versucht man es mit Steinen, die am Gehsteig vor HĂ€usern eingesetzt werden, wo Menschen gewohnt haben, die zu unterschiedlichen Opfergruppen (rassistische Opfer, politische Opfer, Opfer wegen sexueller Orientierung und Euthanasieopfer) gehören.

Da steckt das BedĂŒrfnis dahinter, die Menschen zu ehren, denen damals fĂŒrchterliches Leid passiert ist, weil sie in ihrer Gesellschaft verachtet wurden. Eine spĂ€te Gerechtigkeit, ĂŒber die sich die Hinterbliebenen der Opfer freuen.

Welch unterschiedlichen Aufgaben kann man sich doch in seiner Freizeit widmen! Die beiden sind Pensionist*innen und könnten ihre Zeit durchaus mit Erfreulicherem verbringen, haben sich aber doch aus einem gewissen VerantwortungsgefĂŒhl dieser oft emotional schwierigen Arbeit verschrieben.

Der Forscherdrang spielt ebenfalls eine Rolle. Man muss Archive durchforsten, um an neue Daten zu kommen, die in der Sache wichtige Erkenntnisse liefern.

Das Schönste an diesem Projekt sind fĂŒr mich die Werte, die von den Protagonist*innen vertreten werden. Es gibt ja gute und schlechte Werte. Mancher wird jetzt vielleicht meinen, dass Werte etwas Subjektives seien und jeder darĂŒber anders denken darf. Manche Werte sind meiner Meinung nach nicht verhandelbar und die werden genau von „Steine der Erinnerung“ vertreten: Gerechtigkeit, MitgefĂŒhl, Menschlichkeit, WĂŒrde des Menschen, Leben, Freiheit und SelbststĂ€ndigkeit. Nun wird beinahe jeder Mensch sagen, dass er auch fĂŒr diese Werte einsteht, ohne zu merken, dass er das Gegenteil macht, weil er ungerecht, wenig mitfĂŒhlend, manchmal unmenschlich ist und die WĂŒrde anderer Menschen mit FĂŒĂŸen tritt. Andere machen das vielleicht nicht, setzen sich aber auch nicht aktiv in unserer Gesellschaft ein. Und das macht fĂŒr mich den Unterschied zwischen gut und nicht so gut


© Norbert Netsch 2022-07-16

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