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#selbstverwirklichung#trockenbau

Yoeddy Ramirez - der Weg zum Erfolg

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Yoeddy Ramirez - der Weg zum Erfolg | story.one

Wenn man als Kubaner sein schönes Land liebt, aber doch erkennt, dass man sich wirtschaftlich niemals wunschgemäß entfalten wird, muss man eine Entscheidung treffen: Bleibt man oder geht man?

Yoeddy Ramirez ist gegangen und kam vor acht Jahren nach Österreich, hatte kein Geld, konnte nicht Deutsch und wollte doch im Leben etwas erreichen.

Mit einer gewissen Selbstironie erzählt er im Podcast, dass es für Kubaner als Einwanderer vor allem zwei Optionen gäbe: Gastronomie oder Tanzlehrer. Er wurde Tanzlehrer, machte sich aber doch Gedanken, was ihm das Leben noch bieten könnte.

Wenn man als Inländer über Ausländer spricht, stößt man sich zuweilen daran, dass sich Ausländer einer Nationalität im neuen Land zusammenschließen. Wenn man als Ausländer in ein fremdes Land kommt, sucht man gerade nach diesen Communitys, weil man dort Menschen trifft, die man versteht, die sich im Land bereits auskennen und die einem helfen können.

Vielleicht jemanden, der handwerklich arbeitet, den man begleiten darf, weil er gelegentlich Unterstützung braucht und von dem man auch Neues lernen kann? Jemanden, der einen inspiriert, einen völlig neuen Weg zu gehen?

Yoeddy Ramirez ist das passiert und man könnte sagen, dass er Glück gehabt hat. Ich denke, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens immer wieder Glück hat, es stellt sich aber die Frage, was man daraus macht. Entschließt man sich dann auch trotz noch schwacher Sprachkenntnisse Meisterprüfungen zu machen, gründet man eine Firma für Trockenausbau, mit der man sehr erfolgreich ist? Bekommt man eine Familie, weil man das Herz einer Einheimischen gewinnt? Schafft man es dann, Firmenstart und Familie unter einen Hut zu bringen und kann die Frau sogar auch in der Firma mitarbeiten?

Wenn man als Österreicher hört, dass Yoeddy Ramirez das alles exakt so geschafft hat, sagt man vielleicht gönnerhaft, dass er ein tüchtiger Mensch ist. Man nimmt dabei aber eine falsche Perspektive ein. Man muss sich vorstellen, dass man selbst ins Ausland geht, dort nicht die Sprache beherrscht und auch kein Geld hat. Man muss sich überlegen, wovon man dann leben wird und welche berufliche Entwicklung man erreichen wird. Welcher Mut gehört zu einem solchen Schritt, welches Selbstbewusstsein, dass man es auch unter diesen schwierigen Bedingungen schaffen wird und welche Hoffnung, dass es auch in der Fremde Menschen geben wird, die einen unterstützen werden, obwohl man ein Fremder für sie ist?

Wie stolz muss man sein, wenn man es dann tatsächlich geschafft hat! Wenn man sich daran freut, dass die eigenen Kinder zweisprachig aufwachsen und jeder sieht, dass man sein Schicksal selbst in die Hand genommen hat. Die ungünstigen Start-Bedingungen des Lebens wurden aus eigener Kraft gedreht. Du bist in Österreich beliebt, wirst aber auch im Heimatland bei Besuchen herzlich empfangen.

Aufrichtige Bewunderung sollte schon an den Schulen als verbindliche Übung gelehrt werden.

© Norbert Netsch 2021-10-30

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