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Bremsversagen

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Bremsversagen | story.one

Wenn ich ein braun lackiertes Regenabflussrohr sehe, kommt mir manchmal eine Geschichte in den Sinn, die sich in den sechziger Jahren zutrug.

Es war die Zeit der VW KĂ€fer, ohne BremskraftverstĂ€rker oder gar ABS Systemen. Die WochenendausflĂŒge waren rar- Bauernhof und Beruf ließen wenig Zeit, und so blieben die wenigen Familienausfahrten wohl in besonderer Erinnerung. Wir fuhren ins Weinland- das NĂŒtzliche- nĂ€mlich ein FĂ€sschen Wein mit heimzunehmen , mit dem Schönen, einem gemeinsamen Ausflug. Das Weinviertel war schon damals wohlhabend gegenĂŒber dem kargen Waldviertel und so beeindruckten die schmucken KinderhĂ€user, die die Weinbauern fĂŒr ihren Nachwuchs errichteten- sogar FensterlĂ€den hatten die. Voll von neuen EindrĂŒcken und im Innenraum des VWs beengt durch das WeinfĂ€sschen machten wir uns auf den Heimweg. Unser Vater war ein guter Autofahrer und so war es verwunderlich, dass er zunehmend unruhig wurde. Das Bremspedal ließ sich durchtreten und der Wagen reagierte nicht auf seine Fußkommandos. Es war Sonntag und WerkstĂ€tten außer Reichweite. Ein Landmaschinenmechaniker, den wir ansteuerten konnt das Problem leider nicht beheben. Das Auto mit der kostbaren Familienfracht bewegte sich vorsichtig in Richtung Waldviertel- die Hand meines Vaters immer in Griffweite der Handbremse. Wir nĂ€herten uns dem Heimatort - den Berg hinunter und nur noch wenige Meter bis zum Elternhaus. "Bald ist es geschafft", dachte ich erleichtert, dass alles gut gegangen war. Auch bei meinem Vater löste sich die mehr als einstĂŒndige Spannung- leider um einen Augenblick zu frĂŒh. Er betĂ€tigte routinemĂ€ĂŸig die Fußbremse und- krachte in das Regenabflussrohr neben der Hofeinfahrt. Das WeinfĂ€sschen und wir alle blieben heil. Nur zwei Dellen - eine im Regenrohr, die andere an der Stoßstange unseres KĂ€fers zeugten von dem Bremsversagen.

© PANSILVA 2019-08-26

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