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#1sommer1buch

Leben in Corona-Zeiten

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Leben in Corona-Zeiten | story.one

Meine Brillen beschlagen sich immer wieder- schon wegen der herbstlichen K├╝hle und dann, wenn die Maske verrutscht. Ich schleppe meine Farbkisten in die Schule. Die Frau Direktor kommt mir mit Maske entgegen, ich erkenne sie erst auf den zweiten Blick. Sie freut sich, dass ich komme- kommen darf, die Ampel ist ja noch gr├╝n. Auch die Kinder auf dem Weg zu den Toiletten mit Masken, nur wenige sind auf den G├Ąngen unterwegs. Ich richte alles f├╝rs Malen her, vergesse fast auf die Maske und mache mich dann auf den Weg in die Klasse. Als wir dann malen, ist alles (fast) wie fr├╝her und die Freude ├╝ber das gemeinsame Tun ├╝berwiegt.Ich genie├če es Fotos von den fertigen Werken zu machen und bin unendlich dankbar, dass ich wieder arbeiten darf. Etwas m├╝der als sonst bin ich doch- das Sprechen mit Mundschutz ist anstrengend und gegen Ende des Workshops kriecht die Feuchtigkeit in die Maske.....

Fiebermessen beim Eingang, Gesundheitscheck- Routine beim Eintritt in das Altersheim. Alle Malsch├╝ler Innen erkennen mich trotz Maske, wollen mir die Hand geben und nehmen erfreut ihre Stifte zum Malen. Ich streiche schmerzende R├╝cken auf Wunsch, auch wenn ich wei├č, dass es der Hunger nach Ber├╝hrung ist, der den Schmerzen zugrunde liegt. Nach einer Stunde Arbeit, einer durchfeuchteten Maske und Freude ├╝ber bunte Bilder r├Ąume ich wieder ein und ├╝berlasse meine Sch├╝tzlinge wieder der Obhut des Heimes.....

Auch in meiner "Stammschule": Eintrag in die Liste mit Namen, Adresse und Telefonnummer, die Maske begleitet mich beim Vorlesen und beim Malen. Die Kids sind sehr diszipliniert, wenn sie auf den Gang gehen, wird der Mundschutz angelegt . Ein Anflug von Mitleid ├╝berkommt mich, dass die Kleinen in dieser Pandemiezeit gro├č werden m├╝ssen. Die Freude in ihren Augen ├╝ber unsere gemalten und gedruckten Bilder entsch├Ądigt mich jedoch f├╝r die Einschr├Ąnkungen, die diese Zeit mit sich bringt. Ich hoffe, dass ich im Oktober wieder kommen kann .....

Was ich in diesem halben Jahr des Lockdowns und der Beschr├Ąnkungen gelernt habe? An nichts festkleben, das erspart den Kummer der Entt├Ąuschung. "Abgesagt- verschoben-ersatzlos gestrichen" das sind Aussagen, an die ich mich versuche zu gew├Âhnen. Ist halt nicht- loslassen und weitergehen. Kurzfristig planen und immer gefasst sein, dass es nix wird....freuen ├╝ber Dinge, die ich machen darf, die sich spontan ergeben...Ver├Ąnderung lieben :) .........

Wachsam f├╝r kleine Freuden taste ich mich durch den Corona-Alltag.......

┬ę PANSILVA 2020-09-20

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