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Schreiben als Weg

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Schreiben als Weg | story.one

Sprachen und das Schreiben sind mir schon immer gelegen, mehr als Ziffern und Berechnungen. Die Geschichten flossen mir leicht aus der Feder und so verdiente ch mir manchen Schilling, indem ich fĂŒr Schulkolleginnen AufsĂ€tze verfasste.SpĂ€ter verlegte ich mich auf Gedichte, wenn mir ein Thema wichtig schien. "PlĂ€doyer fĂŒr einen Brief" (anstatt eines Anrufes) oder das Verschwinden eines verkrĂŒppelten Alleebaumes auf meine Schulweg, was mich so traf, dass ich darĂŒber ein Gedicht verfasste. Als ich Ă€lter wurde, begann ich Ereignisse aus meinem Leben aufzuschreiben. Ich habe einmal gelesen, dass die Kindheit wie ein KĂŒbel Farbe ist, den man ĂŒber den Kopf gestĂŒlpt bekommt und der ein Leben lang an einem herunterrinnt. So habe ich diese Tropfen gesammelt , versucht, durch das Schreiben zu erkunden, warum manches so gekommen war. Ich begann meine Familiengeschichte aufzuschreiben, die herkunftsfamilien zu beleuchten, erst aus der eigenen Erfahrung , spĂ€ter befragte ich meine Mutter, suchte Puzzleteile, die mir zusammengehörig erschienen. Hilfreich waren mir Bert Hellingers Erkenntnisse ĂŒber systemische Familienaufstellungen. Geschriebenes kann man immer wieder Lesen, ergĂ€nzen, vieles wird klarer, die ZusammenhĂ€nge ersichtlicher, der Text wartet geduldig auf Überarbeitung, ohne das Denken im Tagesgeschehen zu belasten. Bis zu ihrem Tod habe ich meine Mutter zum Erinnern angeregt und mir so neue Puzzleteile erschlossen. Ich konnte ein Familiengeheimnis lĂŒften, und fĂŒr mich viele wertvolle Hinweise. Angeregt durch ein autobiografisches Schreibseminar begann ich, zu jedem Buchstaben des Alphabetes, einen Menschen oder fĂŒr mich wichtige Orte zu beschreiben, und zu beleuchten. Eine Zusammenschau meines Lebens soll es werden.Oft ergibt es sich durch aktuelle AnlĂ€sse, dass ich ĂŒber jemanden schriben, manchmal ist es aber auch nur ein Begriff der mich "anspringt"mit dem ich mich schreibend auseinandersetze. Auch Schreibaufrufe in diversen Magazinen haben schon dazu gefĂŒhrt, dassetwas aus mir heraus musste. Wenn ein Schuh drĂŒckt, zieht man ihn aus. Bei mir sind es Geschichten, die ich wie ein gepackten Koffer abstelle, Erleichterung schaffen in einem ĂŒberfĂŒllten Kleiderkasten. Schreiben ist mir Ventil geworden. Meine Texte fĂŒlln eine Mappe. Vielleicht werden meine familiengeschichtlichen Aufzeichnungen einml meinen Neffen wichtig sein, wenn sie beginnen, ĂŒber die eigenen geschichte nachzudenken. Wenn nicht, ist es auch gut.

© PANSILVA 2019-05-31

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