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#licht#lichtinsdunkel

Weihnachtsamnestie

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Weihnachtsamnestie | story.one

Der Klang von splitterndem Glas erfüllte das Schlafzimmer und mein Bruder stand verdattert da- noch den Zipfel des Polsters in der Hand. Jäh war unsere fröhliche Polsterschlacht zu Ende. Der dreiarmige Luster baumelte- seiner drei gelben Glasschalen beraubt von der Decke. Da kam auch schon unsere Mutter angerannt um zu sehen, was da passiert sei. Ihre Sorge galt uns und unserem Wohlergehen, aber auch der Konsequenzen, die unsere Schlacht beim überaus strengen Vater auslösen würde. Da konnte es schon mal eine heftige Ohrfeige geben samt einem verbalen Donnerwetter- das fürchteten wir.

Der Ort der Polsterschlacht wurde sorgfältig gereinigt und gekehrt, dann machten wir uns auf den Weg in die Stadt, um die Glasschalen zu besorgen. Gott sei Dank wurden wir fündig, doch konnten wir bei bestem Willen keine rein gelben Schalen bekommen. Sie waren mit grauen wolkenartigen Schlieren im Glas das Ähnlichste, was wir kriegen konnten. Noch bevor unser Vater heimkam, wurden sie montiert und wir hofften inständig, dass er nichts bemerken würde.

Alles war gut gegangen und bald war die Aufregung vergessen. Dann kam Weihnachten. Der Christbaum stand wie immer am Klavier und wir lagen am Christtag im Bett bei den Eltern, um die Schokoanhänger zu besprechen, die heuer den Baum zierten. In den sechziger Jahren, war das noch etwas Besonderes, wir freuten uns über Schokoschirmchen und stanniolummantelte Weihnachtsmänner…Doch dann- die Schrecksekunde. Der Blick meines Vaters fiel auf den Luster: “Hast du die Schalen nicht geputzt, da ist doch Lurch drauf”….Wir wechselten einen vielsagenden Blick mit unserer Mutter, dann rückten wir zerknirscht mit der Wahrheit heraus. Es war wohl Weihnachten geschuldet, dass es mit einer kleinen Rüge abging und wir ohne Donnerwetter davonkamen…..Danach haben wir Posterschlachten aufgegeben :):):)

© PANSILVA 2020-12-04

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