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#solidarität#lovemyfamily#weltwandern

Mama Massai

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Mama Massai | story.one

Der Weg windet sich um einen Felsen. Ich weiche Gesteinsbrocken aus und trotte die letzte Steigung hinauf.

„Wir sind da“, meint Herr Okuru wenig später. Vor uns liegt ein umzäunter Garten. Auf der rot-braunen Erde wachsen Kaffee, Bananen und Mais. Kühe und Ziegen weiden auf der Wiese.

„Hier am Kilimandscharo bin ich aufgewachsen“, meint Herr Okuru, „aber nun ist nur noch meine Mutter da“.

Eine alte Massai tritt aus der von Büschen umrandeten Hütte heraus. Mit ihrer knochigen Hand hält sie ihren roten Umhang fest und eilt auf ihren Sohn zu. Begrüßungsworte fliegen hin und her, zärtlich ruhen ihre Hände auf den Armen ihres Erstgeborenen.

Als die beiden zu mir kommen, strahlt mich die alte Frau an. „Karibu! Karibu kiti – Willkommen! Willkommen Zuhause !“, ruft sie. Die runzlige Haut erzählt von vielen Stunden harter Arbeit auf ihrer Shamba, von Kämpfen mit den Sturzbächen, die in der Regenzeit den Berg herunterkommen und die fruchtbare Erde wegschwemmen. Aber wenn sie lacht, dann ist aller Mühsal vergessen. Dann strahlen ihre Augen so klar wie das Wasser eines Bergsees.

Sie füllt Kaffeebohnen in einen Mörser, holt ihren Melkschemel und beginnt die selbst gerösteten Bohnen zu zerstampfen. Ihre Ohrringe schwingen im Rhythmus der Bewegung mit, die Perlenhalsketten klirren bei jedem Schlag.

Ob es denn gut gehe, fragt sie ihren Sohn. Ob alles in Ordnung sei. Ob es seiner Familie gut gehe. Und ihren anderen Kindern, die sie so selten sehe.

„Ni vizuri. Yote ni vizuri – es geht gut. Alles ist gut, antwortet Herr Okuru. Immer wieder wendet er sich mir zu und übersetzt. Müde sieht er dabei aus. Nur selten huscht ein Lächeln über sein Gesicht; schnell ist es wieder verschwunden.

Als der Kaffee fertig zubereitet ist, schlürfen wir das bitter-süße Gebräu und genießen die Aussicht. Tief unten sind an den Rändern von Moshi Bäume zu erkennen. Dahinter erstreckt sich die Savanne. Am Horizont verhüllt Dunst die Ränder der Ebene, die Erde scheint fließend in den Himmel überzugehen.

Nach dem Begrüßungstrunk wird mir die Shamba gezeigt. Auch in die Wohnhütte dürfen wir einen Blick werfen. In ihrer Mitte brennt ein Feuer, der Rauch zieht kringelnd durch eine Öffnung im Dach.

„Nachts kommen auch die Kühe und Ziegen hier herein, “, meint Herr Okuru. „Es wird eng – aber dafür halten sich alle schön warm.“

Als wir am Abend wieder unten in Moshi sind, lade ich Herrn Okuru zum Barbecue ein und frage ihn, warum er immer so müde aussieht.

„Zu viel Arbeit“, meint er und zuckt mit den Schultern. Dann erzählt er, dass er schon früh aufsteht und Waren ausfährt; um neun sein Reisebüro aufmacht und abends noch abrechnet. Damit es reicht: Für seine vier Geschwister, für die Großeltern und auch für seine Mutter.

„So ist es bei uns. Aber ich klage nicht - Yote ni vizuri.“

Er hebt das Glas und wir stoßen an. Während ich ihn anschaue muss ich an die strahlenden Augen da oben am Berg denken.

© Paul Wolterstorff 2021-03-22

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