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#koch#kennenlernen

Jetzt wird er eingekocht

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Jetzt wird er eingekocht | story.one

Nachdem ER also nicht das Weite gesucht hatte und die Prüfung mit dem Ölofen bravourös bestanden hatte, (Story 1.Date mit Prüfung) hieß es nun nachzulegen damit das Feuer nicht ausging.

Ich will es doch versuchen und back ihr einen Kuchen…so ähnlich singt Reinhardt Mey. Kuchen backen soll der Herr Mey. Ich möcht was Raffiniertes machen, etwas, das er nicht gleich wieder vergisst. Da kommt mir der Zufall zu Hilfe. In der Firma gibt es einen Arbeitskollegen und der ist tataaaa Jäger und fragt, ob ich ein Rebhuhn will. …Bingo! Ich will es tun und brat ihm ein Rebhuhn.

Einladung ausgesprochen, ehrfürchtige Bewunderung! Rebhuhn! Also sowas aber auch. Ich steige bereits in der Achtung. Am Vormittag will der Jäger das Rebhuhn bringen. Für die Soße habe ich bereits Gemüse geschnipselt, das soll dann zusammen mit dem Rebhuhn in die Bratpfanne und ab ins Rohr. 1 ½ Stunden dann sollte das Tier liebevoll geschmurgelt und butterweich aus der Röhre lachen. Ist doch easy. Pünktlich erscheint der Jäger und knallt das Rebhuhn auf den Tisch. Super, danke! Aber, was ist das??? Das hat ja Federn, einen Kopf, Füße, das ist ja ein Rebhuhn!

Ich sinke auf dem Küchensessel zusammen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Bringt mir der den Vogel mit allem Drum und Dran. Eine halbe Stunde sitze ich so, starre das Tier an. Dann gebe ich mir einen Ruck. Es wird nicht mehr lebendig. Gefühlte Ewigkeit und ein paar Tränen später habe ich den Vogel gerupft, und bratfertig gemacht. In der Küche schaut es aus, wie auf einem Schlachtfeld.

Bruzel, brutzel, also echt, schaut super aus. Braun gebrannt kommt es aus seinem Solarium. Die Hitze hat ihm gutgetan. Es kann sich sehen lassen. Da läutet schon das Objekt der Begierde, fröhlich und erwartungsvoll, nichts ahnend von dem Drama, das sich Stunden vorher abgespielt hat.

Für jeden ein Stück vom Rehuhn auf den Teller, Soße, Kroketten (Tiefgekühlte). Das schaut ja …. ihm fehlen die Worte. Zuerst aber Prost und guten Appetit. Dann wollen wir mal. Vorsicht schneide ich ein Stück ab. Kaue, hej, das schmeckt ja richtig gut. Ein Blick zu ihm. Wunderbar sagt er, säbelt ein weiteres Stück ab, plötzlich spuckt er aus, es macht bing! und eine kleine Schrottkugel liegt am Tellerrand.

Ich habe genug. Er isst tapfer weiter. Bing, Bing, Bing, so geht es ununterbrochen. Er versucht zu trösten. Du kannst ja nichts dafür. Sonst ist alles wunderbar, das Fleisch, die Soße. Am liebsten hätte ich mich irgendwo verkrochen. So was von peinlich. Wer kann schon ahnen, dass das Tier durch Kugeln sterben musste. Bleibt noch zu erwähnen. Rebhuhn gleich zweimal gekocht und gegessen. Das erste und das letzte Mal.

P.S. auch nie mehr ein Hendl gerupft! Denke, da war das wilde Blut des Bergvolks jenseits des Semmerings bei mir durchgekommen und das Wissen, dass man nur einen Brief aufgibt.

Bild: Peter Schadyae Unsplash

© Pretulia 2021-01-13

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