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Wenn Menschen Bücher wären

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Wenn Menschen Bücher wären | story.one

Wenn Menschen Bücher wären, wäre ich ein Comicheft und sie ein Beststeller-Roman. Sie wäre die Art von Buch, die man nicht mehr aus der Hand legen könnte, gefesselt von Worten und Erzählungen, die unvergesslich sind. Sie hätte das schönste Cover von allen Büchern. Läge sie in einer Buchhandlung in einem Regal, würde sie nicht dominieren, denn sie war kein auffälliger Typ. Sie würde auch nicht auf dem obersten Regalbrett stehen, denn sie war bodenständig. Doch hätte ich ihr Cover entdeckt, hätte ich in dieser Sekunde gewusst, dass ich das Buch kaufen musste. Sie hätte ein schlichtes, aber stilvolles Cover. Eben so eins, das jeden neugierig macht. Ihre Geschichten würden immer viel zu kurz sein, denn niemand konnte genug von ihr bekommen. Trotzdem oder gerade deswegen war sie perfekt. Sie trug ihre Geheimnisse zwischen den Zeilen und mit jedem Lesen würde man etwas Neues herausfinden. Ganz verstehen könnte man sie dennoch nie.

Wäre sie mein Buch, läge sie immer auf meinem Nachttisch, damit ich jeden Abend mit ihr verbringen könnte und ihre Schönheit mich morgens weckt. Manchmal würde ich das Buch einfach ansehen, es halten und mit meinen Fingern vorsichtig über das Cover gleiten. Ich liebte an ihr, dass sie sich dieser Ausstrahlung nur teilweise bewusst war. Sie war so viel schöner als sie für möglich hielt, aber sie wusste um ihre Unwiderstehlichkeit. Sie wusste, dass ich sie weder für Schiller und Shakespeare, noch für Tolstoi und Garcia Marquez aus der Hand legen würde. Sie war meine Welt und jede Seite ihrer Geschichte war es wert, gelesen zu werden. Jedes Wort war eine Hommage und jeder Gedanke, den ich beim Lesen fassen würde, öffnete neue Universen.

Wäre sie ein Buch, wäre ich jedes Mal aufgeregt, bevor ich zu lesen begänne, denn sie würde mein Herz halten und ich dürfte den süßen Geschmack ihrer Seele kosten, auch wenn es sich immer nur wie ein Wimpernschlag anfühlen würde. Alle Zeit der Welt, die man auf Erden zum Lesen aufbringen konnte, wäre ungenügend, wenn sie ein Roman wäre.

Doch wäre sie ein Buch, würde mir das Geld für eine Ausgabe fehlen. In der Bibliothek wäre sie immer verliehen und würde ich sie in einer Buchhandlung entdecken, hätte ein Sammler sie vor mir erworben. Dann müsste ich mich damit zufriedengeben, sie in meinen Träumen zu bewundern, so wie ich es jetzt tat, als Menschen keine Bücher waren.

© Rebecca Borde 2021-10-16

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