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Zwei Engel auf Erden

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Zwei Engel auf Erden | story.one

Es folgen noch so einige Massage Kurse. Viele grandiose Menschen kann mir von jedem sehr viel mitnehmen. In der Zeit ist meine Nichte schwanger mit Zwillingen. Ich freu mich so fĂŒr sie. Gerade Zwillinge, da ich welche verloren habe, freu ich mich besonders. Die Schwangerschaft verlĂ€uft gut. Sie kommt ins Krankenhaus. Es ist so weit. Die Freude ist groß. Vanessa und Larissa werden geboren. Sie sind so sĂŒĂŸ. Doch Angst steigt auf, etwas stimmt nicht bei der Hypohyse bei Vanessa. Am Tag darauf auch dieselbe Diagnose bei Larissa. So etwas Seltenes und das bei beiden. Aber sie sind kleine KĂ€mpfer. Meine Nichte ist tĂ€glich an deren Seite. Die Tage des Bangens vergehen, dann die nĂ€chste Botschaft. Beim Darm passt was nicht. Vanessa braucht eine Operation. Es ist nicht zu glauben, wieder am nĂ€chsten Tag die gleiche Diagnose bei Larissa. Beide ĂŒberstehen die Operation gut. Hoffnung kommt in uns hoch. Ich leide mit meiner Nichte mit. FĂŒhle mich so hilflos, kann ihr nicht helfen. Wir beten und hoffen, mehr können wir nicht tun. Mittlerweile sind sie schon fast drei Monate im Krankenhaus. Meine Nichte weicht Ihnen nicht von der Seite. Keinen Tag. Sie ist so stark und doch so zerbrechlich. Ich sehe und spĂŒre die Angst in Ihren Augen. Einen Tag im Mai. Vanessa hat den Kampf verloren. Gerade mal vier Monate alt. Einen Tag darauf verliert auch Larissa den Kampf. Mir zerreißt es fast das Herz. Kann meine Nichte nur umarmen. Worte hat man keine dafĂŒr. Kenne Ihren Schmerz, aber ihr Schmerz muss noch viel grĂ¶ĂŸer sein. Meine beiden hab ich nicht gesehen. Wie schwer muss es erst sein, wenn man seine Kinder im Arm hĂ€lt. Monatelang mit Ihnen kĂ€mpft, monatelang mit ihnen bangt und betet. Ich kann mir diesen Schmerz nicht vorstellen. Unbeschreiblich. Die Frage von ihr kommt wie ich das ĂŒberstanden habe. Wie? Ich weiß es nicht. VerdrĂ€ngt. Denn jetzt kommt es hoch. Ich kann es ihr nicht beantworten, den ich stelle mir Ihren Schmerz viel grĂ¶ĂŸer vor. Ich kann nur fĂŒr sie da sein. Ihr zuhören und Beistehen. Wir sehen uns Fotos von den beiden an. Sie hat Gott sei Dank viele gemacht. Und wieder sieht man Ihre StĂ€rke. Bei der Verabschiedung stellt meine Nichte ein Dia Video zusammen. Ein Tisch wird aufgestellt, wo jeder ein Teelicht anzĂŒnden kann. Sie liest auch etwas vor dazu. Einfach herzzerreißend und gleichzeitig wunderschön. Es geht so nah. Die beiden sind in einer Urne und kommen gemeinsam mit ihr nach Hause. Sie hat ein eigenes kleines Zimmer fĂŒr sie gemacht. Sie ruft mich an und bittet mich um Hilfe. Ein Tag nur wir zwei. Wir sitzen da, sehen uns die Fotos an und heulen. Ich darf ihr helfen, das Zimmer zu gestalten. Ich bin ihr so dankbar. Denn somit kann ich mich auch auf eine Weise von meinen beiden verabschieden. Der Tag tut uns gut. Wir trinken ein GlĂ€schen auf unsere Sternenkinder. Das Zimmer ist fertig. Ich sehe sie das erste Mal etwas LĂ€cheln. Zwar ein schmerzverzerrtes LĂ€cheln, aber immerhin ein LĂ€cheln. Wir halten uns im Arm und denken uns.

Zwei Engel waren auf Erden

© Rosmarie Hebenstreit 2021-07-22

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