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Unterwegs im ärmsten Land der Karibik

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Unterwegs im ärmsten Land der Karibik | story.one

Wenn ich schon in die Domrep fliege, will ich auch nach Haiti. Meine Partnerin war anderer Meinung, hatte die Reisewarnung des AA studiert und wollte meutern. Wahlen stünden an, der Hurrikan Matthew 2016, sowie das große Erdbeben von 2010 sind noch nicht verdaut, wer nach Haiti reist ist selbst schuld! Wie eine göttliche Warnung sendet das Fernsehen am selben Tag einen Katastrophenbericht, alles liegt in Trümmern in diesem ärmsten Land der Karibik.

Hannelore Sch., ebenfalls Mitglied der Dt. Zentrale für Globetrotter (dzg) war gerade dort unterwegs. Mit ihren Tipps im Gepäck starten wir am 14.02.2017 mit dem Bus von Santo Domingo nach Port-au-Prince.

Haiti wirkt wie ein typisch afrikanisches Land inmitten der Karibik, entsprechen ist der Verkehr, als wir mit einem Mietwagen die Hauptstadt verlassen. Außerhalb sind die Straßen wie leergefegt.

Die größte Sehenswürdigkeit liegt im Norden des Landes. In Milot parken wir direkt unterhalb des Palais Sans Souci. Ja das gibt es hier wirklich. Oben auf dem Berg thront die mächtige Zitadelle La Ferriere, ab 1805 erbaut vom damaligen General Henri Christophe, nachdem die Sklavenarmee zweimal die französischen Besatzer besiegen konnten. Die Mauern sind 40 Meter hoch und vier Meter dick, Wasserzisternen und 600 Kanonen mit 45.000 Kanonenkugeln machten die Festung uneinnehmbar. Ironie des Schicksals ist, dass die Franzosen das Interesse an ihrer früheren Kolonie Saint-Domingue (jetzt Haiti) längst verloren hatten und nicht mehr zurückkamen. Die mächtigste Festung der neuen Welt, die auch allen Naturgewalten bisher trotzte, war völlig umsonst gebaut worden. Die Anlage ist seit 1982 Weltkulturerbe.

Die Karnevalshochburg Jacmel sollte zu jedem Haitibesuch gehören. Wir parken hinter dem Hotel Florita (nicht Florida). In der Touristeninfo erklärt man uns den Weg zu den Maskenbauer. Diese zeigen uns stets freundlich ihre Werkstatt voller schaurig schöner Masken. Leider ist der Karnevalsumzug erst am nächsten Tag, da fährt aber schon unser Bus zurück. Zwei maskierte Mädchen lassen sich gerne fotografieren.

In der Dämmerung verlassen wir Jacmel Richtung Port-au-Prince in der Rushhour. Nichts geht mehr, planlos fahren aus sämtlichen Gassen alle fahrbereiten Vehikel, samt Schubkarren in die Hauptstraße. Jetzt sind wir wieder in Afrika. Polizisten bekommen das Chaos langsam in den Griff. Die Serpentinenstraße ist im Dunkeln nicht ungefährlich, da die Einheimischen meist ohne Licht fahren, das kennen wir ja auch vom schwarzen Kontinent. Gegen 22 Uhr erreichen wir die Hauptstadt und die Hauptstraße ist gesperrt. Das Navi führt uns auf Nebenstraßen mitten durch die Slums von Port-au-Prince. Eigentlich eine eher unangenehme Situation, aber niemand behelligt uns.

Nach einer anstrengenden Nacht im Mietwagen steigen wir am nächsten Tag etwas gerädert in den Bus und fahren zurück in die Domrep. Haiti wird uns wieder allen Warnungen in positiver Erinnerung bleiben!

© Rudi Kleinhenz 2021-04-07

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