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Auf der Alm, da gibt's koa Sünd

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Auf der Alm, da gibt's koa Sünd | story.one

„Das Federpennal ist wieder zu den Kühen geflogen!“

Vergnügt schallt die helle Stimme unserer Jüngsten über die saftig grüne Wiese, auf der das Braunvieh des Bauern friedlich grast. Unsere Kinder schwingen die Federballschläger und immer wieder verirren sich ein paar Federbälle zwischen die duftenden Kräuter der Wiese und landen bei den Wiederkäuern, die nach den langen Wintermonaten nun wieder auf der Alm neben der Blockhütte, die wir für unseren Urlaub gemietet haben, friedlich weiden.

In jenem Sommer wissen wir noch nicht, dass unsere Dreijährige ein auditives Problem, verursacht durch Entzündungen im Mittelohr, hat. Aus diesem Grund hat sie ihre eigene Sprache entwickelt, die für Außenstehende meist unverständlich ist. Aber dank TCM und Homöopathie bessert sich ihr Hörvermögen.

Am klaren Himmel zeigen sich nur wenige Wolken, der Ferientag verspricht schön zu werden. Von der nahen Forststraße steigen wir den leichten Wanderweg, der über lange Strecken durch dichten Wald führt, zum Bärofen hoch. Auf 1720 m Höhe erwartet uns ein herrlicher Ausblick auf die grünen Bergrücken der Koralpe und beim Rückweg kehren wir noch beim Langhans ein, um uns mit Nudelsuppe und Kärntner Kasnudeln zu stärken.

Die sympathische Bauersfamilie hat uns wie schon zu Ostern im Vorjahr wieder zu einer Brettljause auf ihren hoch gelegenen Bauernhof in Frantschach eingeladen. Unsere tierliebenden Rabauken können es kaum erwarten, den großen Schäferhund, die Schweine, Hühner und Katzen, die sich munter in dem großen Gehöft tummeln, in Augenschein zu nehmen.

Der würzige Duft des frisch gebackenen Brotlaibs, den die Bauersfrau gerade aus dem Lehmofen holt, zieht den besten aller Väter gleich in die gute Stube, wo schon der geräucherte Speck auf uns wartet. Doch die Kinder und mich zieht es zuerst einmal in den Stall. Dort begrüßen uns die stämmigen Stiere, die zum Glück an Pfosten angebunden sind, mit einem lautem Muh.

Unsere Jüngste will auch noch rasch bei der Sau reingucken, nachsehen, wie viele Ferkel sie denn diesmal geworfen hat. Im Schweinestallt umfängt uns ein äußerst strenger Geruch, der bei mir Sehnsucht nach einer Kluppe für meine beleidigte Nase weckt. Unsere Tochter ist gegen diese Stinkattacke scheinbar immun, denn ich kann sie nur mit dem Versprechen, vor dem Heimfahren noch nach den gut verborgenen Kätzchen auf dem Heuboden zu sehen, weglocken.

Bevor wir uns verabschieden, klettern wir die Leiter hoch, wo wir, versteckt zwischen dem duftenden, getrockneten Gras über dem Kuhstall, sechs winzige, grau und weiß gestreifte Kätzchen finden. Ihre blauen Äuglein blitzen uns scheu entgegen, einer faucht uns frech an. Diesen kleinen Stubentiger wollen wir, sobald er groß genug ist, später im Herbst zu uns nach Niederösterreich holen.

Arrivederci, caro gattino!

Foto: Weide bei der Reinhofer Hütte

© Silvia Peiker 2021-08-15

ReisenReif für die Insel

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