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#naturerlebnis

Es klopft und gurrt

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Es klopft und gurrt | story.one

Müßig treibe ich, gebettet auf meine Luftmatratze, im kühlen Wasser des Pools. Während vom höchsten Wipfel der Coloradotanne unsere beiden grauen Stadttauben, so als würden sie auf einem Hochstand die Spezies Mensch betrachten, auf mich herabblicken und mich mit ihrem Gurren unterhalten. Die meisten mögen keine Tauben, aber ich freue mich, dass die beiden Turteltäubchen, die im Frühling ihr Nest im Baum mit seinen runden, weichen Nadeln gebaut haben, meinen Garten als schützendes Domizil auserkoren haben. Zwar werde ich jeden Morgen von ihren eindringlichen, kehligen Lauten geweckt, aber das stört mich nicht, denn ich liebe das natürliche Konzert der melodiösen Vogelstimmen direkt vor meinem Schlafzimmerfenster.

Auch eine elegante Elster in ihrem schwarzweißen, gefiederten Kleid kommt immer wieder auf einen Stippbesuch vorbei und wird meistens mit viel Gezeter von den Tauben in die Thujenhecke gejagt, wo sie sich vermutlich an Käfern und anderem Getier delektiert.

Später schaue ich von der schattigen Terrasse aus neugierig den Amseln zu, wie sie in der vom Regen feuchten Wiese nach Würmern suchen und fröhlich von einem winzigen Erdloch zum anderen hüpfen. Unsere Rotkehlchen wählen für ihre Gelege, seit unser Haus eine frische Fassade hat, anstatt der Nische im vorspringenden Ziegelwerk über dem Hauseingang, nun die stachelige Silberfichte im Vorgarten. Dort finden sie zwischen den dicht gewachsenen Zweigen Schutz vor unseren eigenen und den Katzen der Nachbarn.

Die frechen Kohlmeisen machen es sich in der Zwischenzeit in der hohen Trauerweide gemütlich, die sie mit ihrem ausladenden Schleier aus Blättern vor den gleißenden Strahlen der Julisonne bewahrt. Sobald die Wärme des Frühlings die eisigen Klauen des Winters vergessen lässt, schlüpfen die kleinen Piepmätze in das Rohr unserer alten, ausgedienten Schwengelpumpe, mit der einst meine Großmutter Wasser aus dem Brunnen geschöpft hat. Dort ist der Nachwuchs sicher vor Fressfeinden und ich freue mich schon darauf, noch mehr von der zwitschernden Schar in meinem Garten willkommen zu heißen. Einmal hat ein starkes Unwetter die Brut des Meisenpärchens vernichtet. Nun spannt sich ein großer Sonnenschirm über den ausgetrockneten Brunnen, so ein Unglück soll nicht noch einmal geschehen.

Seit kurzen kommt auch ein wunderschönes Buntspechtpärchen in unser grünes Idyll aus dem nahen Wäldchen geflogen. Eifrig picken beide ein Loch in den dicken Stamm der Weide, um Insekten zu erhaschen. Das stakkatoartige, weit hörbare Trommeln ihrer harten Schnäbel vermengt sich rhythmisch mit dem Gezwitscher der zahlreich vertretenen Flatterlaps, wie unserer Kinder, als sie noch klein waren, unsere fliegenden Akrobaten neckisch nannten.

Im Sommer wartet eine Vogeltränke unter der rosa blühenden Weigelie auf unsere durstigen, flatternden Besucher, im Winter locken Vogelhäuschen mit Sonnenblumenkernen und Meisenknödel.

© Silvia Peiker 2021-03-23

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