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#kunst

Farben- und Tastenspiel

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Farben- und Tastenspiel | story.one

Dort, wo der Künstler im lichtdurchfluteten Atelier einst das Konterfei seiner Lebensgefährtin und Muse Emilie Flöge auf die Leinwand pinselte, erklingen nun durch wohltemperierten Tastendruck erzeugte Klänge, tanzen Harmonien durch die eleganten Salons der im neobarocken Stil erbauten Villa. Gewandt gleiten die ausdrucksstarken Finger des jungen Pianisten über die ebony und ivory Tasten des Konzertflügels, spielen mit den Klängen von Rachminiovs adaptierter Klavierversion der ursprünglich vom genialen Geiger Fritz Kreisler für die Violine komponierten Wiener Tanzweisen “Liebesleid und Liebesfreud”, die nach einem subito piano zu einem gewaltigen Crescendo anschwellen.

Vor dem Salonkonzert im kleinen, aber feinen Rahmen schwebe ich mit meinem Geburtstasgsmädl Manuela, meiner lieben Jugendfreundin aus verblassen Kindheitstagen, durch Klimts letztes Atelier, das er sich einst in einem Gartenhaus im noblen 13. Wiener Gemeindebezirk eingerichtet hatte. Die schweigsamen Mauern des in der Bundeshauptstadt als Klimtvilla bekannten Gebäudes könnten wohl so manche Geschichte erzählen.

Nachdem der Gründer der Wiener Secession, dessen Bilderzyklus “Beethovenfries” zahlreiche Kunstinteressierte in ihren Bann zieht, infolge eines Schlaganfalls im Jahr 1918 aus dem Leben scheidet, wird das ursprünglich ebenerdige Gebäude von seinen Eigentümern um eine Etage, verbunden mit einer prächtigen Freitreppe, erweitert. Nach der Enteignung durch die NS-Herrschaft 1939 und der Restitution nach Kriegsende an die ins Ausland geflohene jüdische Familie, verkauft diese das große Anwesen an die Republik Österreich, die es kurzerhand für einen längeren Zeitraum zu einer Schule umfunktioniert. Bis sich die Pforten der Bildungsanstalt schließen und das Baujuwel in einen tiefen Dornröschenschlummer versinkt. Bürgerproteste verhindern dessen Abriss und infolge einer gelungenen Renovierung wird nun das Andenken des Malers in Form eines Museumsbetriebs sowie durch Konzerte und Theateraufführungen aufrechterhalten.

Korngolds und Bergs Klaviersonaten klingen noch in unseren Ohren, als wir aufgekratzt durch den weitläufigen Garten flanieren, den der Künstler eigenhändig bepflanzt hatte, und wir schnuppern an der in zarten Rosatönen erblühten Rose, die den Namen des Malers trägt.

Noch immer gewärmt von der herzlichen Gastfreundschaft, die uns vom Veranstaltungsensemble des klassischen Konzerts in der Klimtvilla entgegenströmte, spaziere ich durch einen anderen Blätterwald der l'art pour art. Klimts Skizzen und Zeichnungen zieren die Wände der Albertina Modern und zeugen vom großen Talent des Jugendstilmalers, der sich in den elitären Mitgliederreigen des Wiener Künstlerhauses einreiht. Ganz im Sinne von Klimts kreativem Freigeist: “Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.”

© Silvia Peiker 2022-07-03

Kunstmomente

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