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#1sommer1buch#naturerlebnis

Fischen im Trüben

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Fischen im Trüben | story.one

Gleich nach dem Mittagsessen marschierten wir los, im Rucksack unsere Regenjacken, denn der Himmel trübte sich zusehends ein und wir hofften alle, dass unser Forscherdrang nicht durch einen Wolkenguss von oben gebremst werden würde. Der frische Wind nahm an diesem kühlen Juninachmittag immer mehr zu, weshalb sich auch nur einige wenige mit Gummistiefeln ausgerüstete Kinder in das schlammige Wasser des Tümpels hineinwagten, um die winzigen, oft mit bloßem Auge nicht erkennbaren Insekten, Larven und winzigen Fische mit Hilfe kleiner Eimer herauszufischen. Anhand von Büchern und mit Hilfe von Becherlupen erklärte unsere kundige Naturführerin den Schulkindern geduldig die Charakteristika der zahlreichen Kaulquappen, Wasserläufer, Käfer und Fischegel. Neugierig hatten sich alle um die kleine Melanie geschart, die eine seltene, rote Milbe entdeckt hatte. Natürlich brachten wir alle gefundenen Wasserlebewesen wieder an den Fundort zurück, denn die Tiere sollten ihren gewohnten Lebensraum nicht verlieren.

Mit Eric, der als einziges Kind anstelle eines Rucksacks ein kleines Plastiksackerl dabei hatte, hatte ich alle Hände voll zu tun. Zuerst war er gemeinsam mit seinem Freund Kevin in die schlammige Brühe gewatet und plötzlich mit seinen Flipflops, mit denen er schon am Morgen in die Schule gekommen war, steckengeblieben. Beim Versuch, sich zu befreien, war der Flipflop im Schlamm versunken, woraufhin er lautstark um Hilfe rief. Als wir seinen schlammverkrusteten Schlapfen endlich geborgen hatten, rutschte ihm nur wenig später seine Brille von der Nase, um lautlos in den blickdichten Untiefen zu verschwinden. Aufgeregt kamen der Unglücksrabe und sein Freund angelaufen, um mir vom nächsten Desaster zu berichten. Glücklicherweise war der Wasserpegel am Ufer sehr seicht. Zu dritt war es uns schließlich möglich, den Sehbehelf, der im weichen Schlamm des Weihers darauf wartete, gefunden zu werden, mit den mitgebrachten Keschern zu bergen. Ich nahm seine glücklicherweise unversehrten Augengläser an mich, um sie zu säubern und um sie bis zum Ende des Tümpelns bei mir aufzubewahren.

Nachdem wir uns an dem idyllisch mit Schilf bepflanzten Weiher gestärkt und alle Proviantreste inklusive Verpackung wieder verstaut hatten, mussten wir uns schon wieder auf den Rückweg machen. In der Zwischenzeit hatten schwere, dunkle Regenwolken das wenig durchschimmernde Blau des Himmels vollständig verschwinden lassen und die anfänglich frische Brise blies uns nun als kräftiger Wind um die Ohren. Als wir gerade dabei waren, einen Wasserreiher beim Flug über den Marchfeldkanal zu beobachten, konnten wir auch schon die ersten dicken Tropfen auf unseren Köpfen spüren. Hurtig legten wir noch die wenigen Meter zum Gebäude der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal zurück, um dort Schutz vor dem Regenguss zu suchen. Zum Glück waren uns nicht nur heimische Wasserlebewesen ins Netz gegangen, sondern auch Erics Brille!

© Silvia Peiker 2020-09-03

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