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Halleluja, auf zur grünen Insel

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Halleluja, auf zur grünen Insel | story.one

Hoch über den Wolken war endlich Ruhe in das aufgeregte Geschnatter unserer drei Neoflieger eingekehrt. Mein Geburtstagsgeschenk zum Runden, eine lang ersehnte Reise nach Irland, sollte zur ersten Flugerfahrung unserer drei Kinder werden.

Auch wir Erwachsene wurden um eine Erfahrung reicher, da wir übersehen hatten, dass unsere Pässe um wenige Tage abgelaufen waren. Leider hatte die irische Regierung das Schengener Abkommen, dass uns erlaubt hätte, als EU-Bürger trotz kürzlich abgelaufenem Reisedokument einzureisen, nicht unterzeichnet. Aber wir schafften es trotzdem, zwar erst einen Tag später als geplant, beim nächsten Flug in die irische Hauptstadt mit dabei zu sein. Zuvor mussten wir noch rasch beim Fotografen etwas verkrampft in die Kamera lächeln, um dann bei den gut gelaunten Beamten der Feuerwehrwache im Rathaus einen sogenannten Notpass ausstellen zu lassen.

An beiden Seiten der Gangway des Air Lingus Jet waren jeweils drei Sitze pro Reihe eingebaut, von denen fünf unsere kleine Familie einnahm. So warteten wir neugierig darauf, wer sich wohl zu uns gesellen würde. Meine Sitznachbarin, eine freundliche ältere Irin, ließ nicht lange auf sich warten. Schon nach wenigen Minuten kamen wir beide miteinander ins Gespräch.

Ich kramte mein bestes Englisch hervor und erzählte ihr von unserem Ferienhaus, dass wir am Strand von Kilkee, einem idyllischen Fischerdörfchen im County Clare, für die Dauer von zwei Wochen gemietet hatten. Von ihr erfuhr ich, dass sie eine gute Freundin in Wien besucht hatte und nun wieder zu ihrer Familie heim ins County Sligo flog. Der Zweck des Besuchs der Walzerstadt war nicht nur, die Freundschaft wieder aufzufrischen, sondern auch, um nach dem Tod ihres Ehemanns wieder auf andere Gedanken zu kommen. Sofort fühlte ich eine tiefe Verbundenheit mit der trauernden Witwe, denn auch ich hatte erst im Frühjahr meinen Vater verloren. Beide fanden wir tröstende Worte füreinander und plötzlich sangen wir gemeinsam

„Jubilate deo, omnis terra. Servite Domino, in laetitia“.

Natürlich mit leiser Stimme, um die anderen Fluggäste nicht zu stören.

Dieser wunderschöne Choral begleitet mich seit meinen Exerzitien im Kloster von St. Koloman, wo ich das Kirchenlied gemeinsam mit den Nonnen im Kanon trällerte. In meinen kühnsten Träumen hätte ich mir niemals ausgemalt, dass ich „Jubilate deo“ in 10 000 Meter Höhe mit einer Fremden anstimmen würde.

So, als hätten wir es einstudiert, passten unsere Stimmlagen harmonisch zueinander. Ihre ein klarer Mezzosopran, meine der tiefere Alt. Unsere Jüngste, die neben mir saß und staunend den zum Greife nahen Wolkenfetzen nachsah, die am kleinen Fenster vorbeizogen, starrte nun uns, das seltsame singende Duo, mit großen Augen an.

Die Stunden im Flugzeug verflogen viel zu rasch, ich hätte liebend gern noch mehr Zeit mit Brianna verbracht, die uns spontan einlud, sie in ihrem Haus zu besuchen. Was wir auch planten, aber leider war die Vorsehung dagegen

© Silvia Peiker 2021-01-22

Reif für die InselMenschen verbindenIrland

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