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#1sommer1buchtirol#crazyanimals

Holterdiepolter

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Holterdiepolter | story.one

Ein prüfender Blick durch die trüben Scheiben bestätigte mir, dass die Fenster meines Hauses eine frische Politur in Hinblick auf das nahe Osterfest benötigten. Ich musste aber darauf achten, dass Garfield, unser roter Kater, den wir von unserem Ausflug von der nebelverhangenen Rax im Herbst mitgebracht hatten, nicht das Weite suchte, weil erstens ja ein Marder sich in unseren Garten einquartiert hatte, und zweitens, sich die kleine Samtpfote erst in ihr neues Zuhause eingewöhnen sollte.

Sechszehn Fenster und eine Terrassentür später wollte ich völlig erledigt unser süßes Kätzchen mit seinem Lieblingsfutter, Lachs mit Soße, zum Futternapf in die Küche locken. Schreck lass nach, aber der stets hungrige Garfield folgte nicht dem nur für Gourmets auf vier Pfoten verführerischen Duft des Katzenmenüs…

Das letzte Mal hatte ich das niedliche Fellknäuel friedlich schlummernd in der Höhle des Kratzbaumes gesehen, doch dort herrschte nun gähnende Leere. Bloß der rote Haarflaum auf der fliederfarbenen Decke bewies, dass Garfield dort ein Nickerchen gehalten hatte.

Während meiner spontanen Putzaktion hatte sich ein heftiges, noch recht eisiges Frühjahrslüftchen aufgemacht, das nun mit ungebremster Wucht in den Kamin hineinfuhr und dort einen schaurigen Widerhall im ganzen Haus erzeugte. Mit dieser Geräuschkulisse war es mir nicht möglich, das helle Miauen unseres halbwüchsigen Katers, der sich offensichtlich in einer Ecke des Hauses versteckt haben musste, auszumachen. Obwohl ich ja penibel darauf geachtet hatte, dass Garfield nicht durch eines der geöffneten Fenster entkommen konnte, konnte ich mir keinen Reim darauf machen, wie mir der kleine Lauser ungesehen durch die Lappen entwischt war. Auch nach längerer Suche war es mir nicht möglich, unseren Vierbeiner weder auf der unteren Etage noch im ausgebauten Dachgeschoß ausfindig zu machen.

Ich hatte schon den Griff der Terrassentür in der Hand, um draußen nach unserem Kätzchen zu suchen. Plötzlich hörte ich ein klackerndes Rumpeln, das offensichtlich von oben kam! Es klang, als würden Türen von unsichtbarer Hand auf- und zugeschlagen werden!

Flugs nahm ich zwei Stufen der Treppe auf einmal, und als ich vor dem hohen Kasten stand, in dem ich sämtliche Putzutensilien für Haus und Garten aufbewahre, klapperten dessen Türen wie verrückt, so, als würde sich ein Poltergeist von innen dagegen werfen!

Beim Öffnen der schweren Holztüren sprang dann zwar kein polternder Geist, dafür purzelte aber unser soeben erwachter, verschlafener Garfield, im Schlepptau Putzlappen und Besen, laut maunzend heraus.

Wie der Blitz trabte der rot gestreifte Poltergeist dann mit aufgestelltem Eichhörnchenschweif in die Küche, um sich nach der langen Rast und dem ausgestandenen Schrecken am frisch gefüllten Futternapf zu laben.

Der Poltergeist hatte Gestalt angenommen, der Spuk war vorbei. Nur der Sturm draußen tobte munter weiter.

© Silvia Peiker 2020-10-19

crazyanimalsKatzengeflüsterHoppalas, die uns zum lachen bringen

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