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#reisen#reiffürdieinsel

Leuchttürme und Delfine

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Leuchttürme und Delfine | story.one

Sonnenschein und Wärme haben wir offensichtlich vergessen einzupacken, denn die irischen Wetterfrösche senden zu den täglich erfrischenden, kurzen Regenschauern, an die wir uns schon gewöhnt haben, nun auch noch nahezu blickdichte Nebenschwaden.

Kurz zuvor zuckeln wir noch staunend an den eindrucksvollen Palmen vorbei, die aufgrund der warmen Meeresströmungen hervorragend in den Gärten gedeihen und ihr südliches Flair versprühen. Nun baut sich auf unserem Weg nach Loops Head eine unheimliche Nebelwand auf, um derentwillen wir nun quasi im Schneckentempo der idyllisch gelegenen Halbinsel entgegenkriechen.

Der weiß getünchte Leuchtturm, der die herannahenden Schiffe vor den gefährlichen Felsen der Atlantikküste warnt, und das im Reiseführer so verlockend angepriesene Panorama, sind nur noch schemenhaft auszumachen und so wird unser Rundgang am Rand der Klippen zu einem gewagten Unternehmen. Denn der pflanzliche Untergrund ist rutschig vom feinen Nieselregen, das Meer brandet wild unterhalb und die Sicht wird von Minute zu Minute schlechter. Also wieder retour zum Auto und zum nächsten Supermarkt einkaufen fürs Abendessen, wo mich eine freundliche ältere Irin wohl aufgrund meines rötlichen Haarschopfs mit gälisch gefärbtem Dialekt anspricht. Ich verstehe nur „station“, bin aber geschmeichelt, dass sie mich für eine Einheimische hält.

Am nächsten Morgen auf nach Carrigaholt zum Dolphin Watching. Über dem Fischkutter ziehen weiße Wolken, die wie eine Daunendecke jedes Fünkchen Blau des Horizonts verhüllen, unter uns die kalten Wellen des Shannons, in dessen Grau sich ab und zu eine Rückenflosse der verspielten Tümmler abzeichnet. Begeistert zücken sämtliche Touristen ihre Kameras, wenn ein Delfin aus dem Wasser schnellt, nur um rasch wieder unterzutauchen.

Mit zunehmender Fahrt frischt der Wind immer mehr auf und ich wäre froh über einen Anorak, so wie ihn andere vorsorglich dabei haben. So frieren wir tapfer in unseren leichten Jacken und freuen uns, wenn wir wieder in den windgeschützten Hafen einlaufen.

Durchgefroren sausen wir ins einzige Pub des kleinen Nests, um uns mit Tee und warmem Essen wieder aufzuwärmen. Groß ist die Enttäuschung, denn das einzige Nahrungsmittel, das hier kredenzt wird, sind, typisch für einen Ort, der vom Fischfang lebt, natürlich Flossentiere. Diese werden jedoch von unseren Kids, mit Ausnahme von Fischstäbchen, vehement zurückgewiesen. Aber die Iren sind ja für ihr großes Herz bekannt, und so versorgen sie unseren hungrigen Nachwuchs mit einer eigens für sie zubereiteten bunten Obst- und Gemüseplatte. Da strahlen die Kinderaugen und auch der beste aller Väter und ich können uns nun ohne schlechtes Gewissen am köstlich zubereiteten Wildlachs delektieren.

Ich erinnere mich an einen irischen Segensspruch, der die Hilfsbereitschaft der Inselbewohner widerspiegelt:

Bedenke, dass jemand, der an deine Tür klopft, vom Himmel geschickt sein könnte.

© Silvia Peiker 2021-02-13

Reif für die InselIrland

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