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#kunst

Seeds of Time

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Seeds of Time | story.one

2001: ODYSSEE IM WELTRAUM. Indigo und Mitternachtsblau verdichten sich unter Einsatz von Wolkenweiß zu den dunklen, undurchdringlichen Sphären der Galaxie, geben Raum für die Unendlichkeit des Universums. Aber ist es wahrhaftig unendlich, wer kann es mit Sicherheit behaupten? Ist es nicht vielmehr eine These, die wir einfach hinnehmen, da uns der Gegenbeweis einfach nicht gelingen kann?

Staunend wandle ich durch die weiß getünchten Säle im Erdgeschoss der Albertina, in denen die riesigen, abstrakten Gemälde des Gmundner Künstlers Hubert Scheibl wirkungsvoll in Szene gesetzt werden.

Schon beim Betreten der drei Ausstellungsräume umfängt mich die zauberhafte Aura der Werke, in der ich mich auf Anhieb willkommen fühle. Die wohltuende Ruhe und schwungvolle Harmonie der Bilder wechseln sich ab mit der Lebhaftigkeit der bizarren Skulpturen aus Papiermaché, Holz, Draht, Ton und anderen originellen Materialien wie Pinselköpfen oder Farbtubendeckel.

Die virtuelle Eröffnung der Ausstellung hat nicht zu viel versprochen. Denn Scheibls Werke, die in Isolation während der Pandemie entstanden sind, kreisen um Termini wie Bakterien, Viren und kleinste Zellen. Für den mit der Natur verbundenen Maler stellt Zeit eine Dimension dar, die er in seinen Kompositionen mühelos einfängt und zum Stillstand bringt.

Der Künstler selbst beschreibt seine Arbeit als „forschende Bewegung, die sich eher intuitiv unbekannten Energiefeldern und Energieformen nähert, ein ständiges Oszillieren zwischen hüben und drüben." Auf der Suche nach „einem evolutionären Urstrom" fängt er Schwingungen und Stimmungen ein, die die erwartungsvollen Seelen der Betrachter zu berühren vermögen.

Ich verharre vor dem Ölgemälde mit dem stimmigen Titel ONES, das mich an große Flügel erinnert, die federleicht ähnlich einer Skulptur in den Himmel schweben. Diese Leichtigkeit entdecke ich auch in STEPS OF EVOLUTION, wo sich filigrane grüne Blätter in einer leichten Brise zu wiegen scheinen.

Gleich zwei Kunstwerke teilen sich denselben erwartungsvollen Titel „ECHO“. In der schattierten Struktur ihres luftigen Widerhalls vermeine ich herbstliche Pinselstriche zu entdecken, fühle mich, als wäre ich wie Alice im Wunderland in ein Füllhorn aus Kolorit gefallen.

Fasziniert steuere ich auf das imposante Werk EUGLENIA zu, das des Künstlers Intention, Augentierchen auf die Leinwand zu bannen, die mithilfe des Lichteinfalls Fotosynthese betreiben, widerspiegelt. In dieser Farbexplosion, wobei interessanterweise ein strahlendes Weiß dominiert und die anderen Farbschichten überlagert, vermeine ich Löffel und Kopf eines überdimensionalen schneewittchenweißen Hasen zu erkennen. Ist es nur meine Einbildung, oder hat das Genie diesen aus seinem Malerhut gezaubert, etwa in Anlehnung an Dürers Feldhasen, der ja als Aushängeschild des Museums fungiert?

© Silvia Peiker 2021-10-11

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