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Skara Brae

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Skara Brae | story.one

Einst unter hohen, mit grünem Strandroggen bewachsenen Sanddünen begraben, von seinen Bewohnern verlassen, auf einer Anhöhe Erosion und den Gezeiten schutzlos ausgeliefert. Wie ein Relikt aus ferner Vergangenheit trotzen die gut erhaltenen Steinhäuser und Befestigungswälle von Skara Brae Orkneys rauen Witterungsverhältnissen.

Im Jahre 1850 riss eine gewaltige Flutwelle den Rasen des Braes, des Hügels, weg, sodass gut erhaltene Behausungen, Gräber, Keramik und Steinwerkzeuge für die forschenden Augen der Nachwelt sichtbar wurden. Ursprünglich bei einem Loch, sprich See, erbaut, der schon lange ausgetrocknet ist, ist es dem Material Stein zu verdanken, dass die am besten erhaltene europäische Siedlung der Jungsteinzeit von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt werden konnte

Während das Dach der meisten Häuser nun das weite Himmelszelt ist, bekommt man im einzigen Steinhaus, über dem sich noch das grasbewachsene Erdreich des Hügels spannt, einen guten Eindruck von der Beengtheit und Dunkelheit, in der diese Menschen ihr Dasein fristeten. Wir zerbrechen uns den Kopf darüber, wofür die mysteriösen Carved Stone Balls, die entweder aus Granit, aber auch aus weicherem Sandstein gefertigt wurden, dienten. Ein wenig erinnern sie mich an steinerne Morgensterne.

Als wir von der Black Isle Brewery, die in den schottischen Highlands ihr malziges Aroma verströmt, nach Orkney aufbrechen, fällt mir sofort auf, dass kaum Bäume auf der Insel wachsen. Da der beste aller Väter und ich vorhatten, nur an idyllischen und interessanten Plätzen Halt zu machen, haben wir kein Quartier im Voraus gebucht. Bei unserer letzten Erkundungstour auf Skye entdeckten wir auf Anhieb komfortable B&Bs, was auf dieser Insel fast ein Ding der Unmöglichkeit darstellt. Später erfahren wir, dass die meisten Quartiere in den Sommermonaten meist von den Angehörigen der Arbeiter der Ölplattformen belegt sind.

Nach einer ausgedehnten Suche erhaschen wir in Stromness mithilfe der freundlichen, schottischen Insulaner das letzte freie Zimmer auf dem Mainland. Was für ein Glück, dass unsere landlady eine studierte Archäologin ist. So erfahren wir beim Frühstück viele Details zu den unzähligen Ausgrabungsstätten auf der Insel.

Unweit von Skara Brae schlängelt sich an der Westküste ein schmaler Pfad an den Klippen entlang, und beim steilen Aufstieg prickelt die salzige Meeresbrise auf meiner Haut. Ich blicke den Möwen nach, die sich wie Kunstflieger in den kobaltblauen Himmel schrauben. Der warme Wind frischt auf und scheucht die Wolken übers Meer gen Osten. Wir werden mit einem fast kitschigen Postkartenpanorama belohnt, dürfen aber die zwischen dem dicht wachsenden Gras und Heidekraut verborgene Felsspalten nicht außer Acht lassen, die uns einen beunruhigenden Ausblick auf die tief unter uns rauschende Meeresbrandung gewähren. Trotzdem genießen wir unsere Wanderung abseits von den Touristenströmen hoch über der Nordsee.

© Silvia Peiker 2021-02-09

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