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The Vikings auf Orkney

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The Vikings auf Orkney | story.one

Raue, aufgeregte Schreie, Sonnenstrahlen, reflektiert vom blanken Stahl der Schwerter und Äxte, die die hochgewachsenen, stämmigen Nordmänner kampfbereit schwingen, als sie auf die niedrigen Wälle der kreisförmigen Erdhügel zustürmen.

Erinnerungen an die kanadische Serie „The Vikings“ werden wach, als ich mich langsam, tief gebückt, mit Blick auf den von vielen Füßen festgestampften erdigen Untergrund, durch den scheinbar endlos langen, schmalen Korridor kämpfe, dem einzigen Zugang, durch den man ins Innere von Maeshowe gelangt.

Abgeschnitten vom fahlen Licht des Sommertages unterdrücke ich nur mühsam die klaustrophobischen Regungen, die der finstre Durchlass in mir weckt. Zum beklemmenden Gefühl tragen auch die massiven, tonnenschweren Steinplatten bei, die sich nach der Enge des unterirdischen Gangs im Inneren der Grabkammer plötzlich 4,5 Meter auftürmen.

Das Gewölbe der Kammer war vermutlich zur Zeit des neolithischen Baus um 3000 v. Chr. noch höher. Sein von Gras bewachsenes Dach wurde von plündernden Wikingern entfernt, die von oben in das Hügelgrab eindrangen. Angeblich hatten sie für die Bergung des Schatzes mehrere Tage benötigt. Die ursprüngliche Decke wurde 1860 mit Beton wieder rekonstruiert und geweißt. So bildet sie einen gut unterscheidbaren Kontrast zum neolithischen Mauerwerk.

Staunend betrachte ich die einfachen, geometrischen Figuren, die an signifikanten Stellen über dem Eingang und an den seitlichen Kammern in den Sandstein eingeritzt worden waren. Alle drei bekannten Runenschreibweisen wie die Normalschrift, die Zweigrunen und der baumförmige Stil wurden hier von längst verblichenen Schreibern, auch von runenkundigen Frauen, genannt Lifolf, verewigt.

Die elaborierte Konstruktion des Hügelgrabes sollte aber auch dazu dienen, um den Zeitpunkt der Wintersonnwende, das Scheiden des alten und die Wiedergeburt des neuen Jahres, zu markieren. Denn drei Wochen vor und nach dem 21. Dezember schwebt das Licht des untergehenden Feuerballs durch den langgezogenen Tunnel in das Grab, um die Rückseite der Kammer zu beleuchten.

Maeshowe ist das größte und am aufwändigsten gestaltete Hügelgrab, das man auf Orkney findet. Einzigartig sind auch drei Zeichnungen, die die Wikinger in der Grabkammer hinterlassen haben. Sie sollen ein Walross, einen Hundekopf und einen Drachen oder Löwen, in dessen Rücken ein Schwert steckt, darstellen.

Erleichtert sind der beste aller Väter und ich, als wir nach Verlassen des Monuments wieder in der Gegenwart landen und die frische, feuchte Brise, die vom Loch of Harray herüberweht, einatmen. Bevor wir weiterziehen, nehmen unsere entdeckungsfreudigen Blicke noch die sanften Grüntöne der Wiesen sowie die silbern schimmernde, spiegelglatte Oberfläche des Sees in der Ferne wahr. Im nahen Tormiston Mill, einem Informationszentrum, stoßen wir dann mit einem Glas Scapa auf Orkneys historische Vergangenheit an. Slàinte Mhath!

© Silvia Peiker 2021-01-18

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