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Fudge, Whisky und Flaggen

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Fudge, Whisky und Flaggen | story.one

Das Wort ist wie ein nie gekannter Geschmack, wie eine Frucht, in die du zum ersten Mal hineinbeißt.

FUDGE: klebrige, zuckersüße Verführung in Karamell, Pistazie, Vanille oder Himbeere, die sich mit satten Nuancen von Weiß-, Grün-, Rosa- und Brauntönen zu einem Fest für die Sinne vereinen, ködern unsere Geschmacksknospen. Diese würfeligen, die Traumfigur herausfordernden Zuckerbomben werden im unteren Deck zwischen Kombüse und Lagerräumen von zwei Frauen in historischen Kostümen des 19. Jahrhunderts feilgeboten.

Zucker, Butter Milch oder Schlagobers, vermengt mit unterschiedlichen flavours wie etwa Whisky. Wir weilen in Schottland, und hier trägt der Edelbrand auch zur Veredelung dieser Köstlichkeiten bei.

Auf den Spuren der Queen und ihrer adeligen Sippe flaniere ich auf den frisch polierten Planken des Sonnendecks der H. M. Yacht Britannia und blicke so wie einst die unglückliche Prinzessin of Wales auf die nebelverhangene, unbewegte See hinaus. Auf Schusters Rappen haben wir den weiten Weg vom historischen Zentrum Edinburghs, der Royal Mile, nach Leith auf uns genommen und erforschen nun die fünf Decks des schwimmenden Palastes, der als Museumsschiff in seinem letzten Hafen am Gestade der schottischen Hauptstadt angedockt hat.

Mit Interesse studiere ich die bunten Flaggensymbole, die nahe der Veranda, die an die geräumigen, luxuriös ausgestatteten Privatkojen der Royals im oberen Deck grenzt, auf einer großen Tafel für alle sichtbar sind. Ungläubig starre ich auf ein weißes Rechteck mit blauem Rand, in dessen Mitte ein schmäleres rotes Viereck prangt. Ich google und lerne, dass das internationale Signalflaggenalphabet für jeden Buchstaben so wie das Buchstabieralphabet bestimmte Wörter für den weltweiten Sprechfunk verwendet. Und ausgerechnet “Whiskey” soll signalisieren, wenn ärztliche Hilfe vonnöten ist. Bei diesem ausgefallenen Terminus liegt es auf der Hand, dass dieses System ursprünglich zur Erkennung von Handelsschiffen im Jahre 1817 von Frederik Marryat, der bei der britischen Royal Navy diente, ausgeklügelt worden ist.

Ein großes blaues Quadrat, dessen Zentrum ein kleines weißes Viereck ziert, ist auch als blauer Peter bzw. beim Funken als “Papa” bekannt, und signalisiert der Mannschaft an Bord zu kommen, da das Schiff in den nächsten 24 Stunden auslaufen wird.

Wir spazieren zum Hauptdeck und in Gedanken sehe ich Diana am großen Flügel im Drawing Room sitzen, wie ihre grazilen Finger über die Tasten gleiten und den weitläufigen Raum mit Musik füllen. Man munkelt, dass sich die Prinzessin im unteren Deck, wo sich die spartanisch ausgestatteten Quartiere der Offiziere und der restlichen Mannschaft und auch eine Bar befinden, wohler gefühlt als im Kreis der königlichen Familie.

Am sogenannten Royal Deck kehren wir noch im Tea Room ein und löffeln Erbsensuppe aus einer Teetasse sowie Cream Tea mit frisch gebackenen Scones, Clotted Cream und Strawberry Jam.

Ahoi, Britannia!

© Silvia Peiker 2021-04-08

ReisenReif für die Insel

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