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#england#psyche#wahn

4. Kapitel

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4. Kapitel | story.one

Verschwitzt tauchte er aus den Lacken auf. Erwacht aus Träumen, in denen er sich, umzingelt von Gestalten, von denen nur fünf Augen hatten, letztendlich schutzsuchend in die Dunkelheit gekauert hatte.

Sein Herz schlug so heftig, dass sein ganzer Brustkorb schmerzhaft vibrierte. Er öffnete den Mund, um mehr Luft zu bekommen. Seine Blicke fuhren im Zimmer umher, konnten sich an nichts heften, suchten nach den Überresten seines Traumes.

Schließlich setzte er sich auf die Bettkante, seine Hände durch seine Haar fahrend, wie um die Bilder des Schlafes zu verwischen.

Ein plötzliches Klopfen schreckte ihn, doch er machte sich schnell klar, dass es nur seine Haushälterin sein konnte, die dreimal in der Woche kochte und die Wäsche mitnahm. Bald darauf hörte er sie in den Räumen sauber machen. Schwerfällig kleidete er sich an, wartete jedoch mit dem Hinuntergehen bis sie mit den Zimmern durch zu sein schien.

„Wie war es denn in Frankreich, Sir? War es erfolgreich?“, begrüßte ihn die resolute Frau frei heraus.

Der Mann knöpfte die Manschetten zu: „Ja, ja. Es war recht zufriedenstellend.“

„Das ist doch eine schöne Nachricht“, fuhr Mrs. Rivett fort und ließ den Satz mit einem unvollendeten Ton im Raum hängen.

Reglos musterte sie ihren Lohnherrn, der sich noch immer auf die Knöpfe konzentrierte. Das unangenehme Gefühl etwas Wichtiges in dem Gespräch verpasst zu haben, beschlich ihn.

Nervös blickte er auf, um einem fordernden Blick zu begegnen.

„Ich“, er stolperte beinahe über die Wörter, „möchte Ihnen gerne eine kleine zusätzliche Entlohnung zuteilwerden lassen.“

Er nestelte an seinen Taschen, wurde sich bewusst, dass er kein Geld in diesem Anzug hatte und verschwand zurück in sein Schlafzimmer. Seine Hände durchsuchten den Reiseanzug und fanden die Münzen. Seine Hände bewegten sich, doch etwas folgte seinem Beispiel nicht. Seltsam leer schwebten sie im Raum.

Er zählte die Münzen nicht ab, rannte aus dem Zimmer, drückte der Frau das Geld in die Hand und schielte nach seinem Schatten, während sie das Geld in ihren Taschen verstaute.

Etwas Neues war an seinem Schatten. Er hatte Augen. Man konnte sie nicht sehen, aber sie durchbohrten einen von allen Seiten. Wartend auf die Angst, die unweigerlich die Spitze des Bewusstseins erklimmen würde.

© Sofya Selmo 2021-07-22

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