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Ein letztes Abendmahl

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Ein letztes Abendmahl | story.one

„Alles ist relativ“, sagte schon einst der große Albert und stellte unter anderem das Empfinden von Zeit dem gegenüber, dass eine Minute mit der Hand auf einer heißen Herdplatte sich wie eine Stunde anfühlte, während eine Stunde mit einem hübschen Mädchen vergleichsweise so schnell wie eine Minute verginge.

Wie unglaublich recht er doch hatte, der liebe Herr Einstein.

Denn so verging die Zeit mit meiner vom Universum arrangierten Bekanntschaft rasend schnell und wir waren daher gezwungen unser letztes gemeinsames Abendmahl auf La Gomera einzunehmen.

Ein gemütlicher abendlicher Spaziergang an der lauen Luft führte uns von der Anhöhe La Trincheras zum wunderschön beleuchteten Hafen von Playa de Santiago, wo einige Restaurants nebeneinander lokalisiert waren.

Ein Blick in die verschiedenen ausgehängten Speisekarten ließ uns rasch die Entscheidung für die Einkehr fällen. Nachdem uns der Kellner die georderten Getränke gebracht hatte, fragte er nach unseren Essenswünschen.

Ohne uns irgendwie abgesprochen zu haben, bestellte er Gnocchi mit Käsesauce und ich Penne con cuatro quesos – unsere Mägen schienen sich anscheinend bereits gut aneinander adaptiert zu haben.

Für mich war es zudem ebenfalls mein letzter Abend auf dem kanarischen Eiland, bevor es von der dortigen angenehmen Wärme wieder heim in die österreichische Kälte als auch in die erneute Isolation ging.

Wehmütig war infolgedessen mein Blick in die Marina und auf das nächtlich-schwarze Meer mit seinem beruhigenden Rauschen, dem ich an jenem Abend stundenlang hätte lauschen können.

Aber alles hat irgendwann ein Ende.

Beim Rückweg gingen wir schweigsam und langsamen Schrittes, möglicherweise um das Raum-Zeit-Kontinuum maximalst zu expandieren. Für eine Verbundenheit benötigt es meist weder vieler Worte noch vieler Zeit, da das Innere etwas fühlen oder wahrnehmen kann, lange bevor es die Zunge ausdrücken zu vermag.

© Sylvia Eugenie Huber 2021-01-03

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