skip to main content

#tempel#sizilien#agrigento

Ein Tempel-Traum

  • 71
Ein Tempel-Traum | story.one

Donnerstag, 28.10.21

Nach dem Frühstück auf der Dachterrasse geben wir Agrigento ins Navi ein. Gestern habe ich in einem süßen Bücherladen Bildbände über Sizilien gefunden und machte jene Stadt ausfindig. Auf dem Weg dorthin befindet sich Modica, wo ich auch gleich Lust zum Erkunden bekomme, doch der Master erklärt mir, dass wir nicht in jedem Ort mehrere Stunden verbringen können und so reduziere ich aufs Minimum.

In Agrigento angekommen beschließt Mann mit Hund am Strand zu fahren, damit Frau sich zeitlich uneingeschränkt der Tempeltour hingeben kann. Die 582 v. Chr. gegründete Stadt hat eine Fläche von 3,52km² und zählt zu den bedeutendsten antiken griechischen Städten Siziliens. Eine Besonderheit ist das auf dem Hochplateau befindliche Tempeltal „Valle dei Templi“, welches sich ein paar Kilometer südöstlich von der heutigen Altstadt befindet und 97 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde. Dort bekomme ich als Erstes den „Tempio di Giunone (Heratempel) zu sehen und vernehme österreichischen Dialekt, welcher zwei Pärchen, aus dem von mir daheim benachbarten St. Valentin, gehört. Die Welt ist manchmal echt ein Dorf.

Es folgen die „Fortificazioni greche“ als auch Nekropolen, bis mich ein Laden mit frisch gepressten „Spremuta di Melagrana“ (Granatapfelsaft) zu einem Stopp überredet. Der anschließende „Tempio della Concordia“ (Concordiatempel) zählt zu den am besten erhaltenen Tempeln der gesamten griechischen Antike. Hier liegt ebenfalls eine große Skulptur namens „Ikarus“ vom polnischen Bildhauer Igor Mitoraj, dessen Kunst wir bereits gestern in Noto bewundern durften.

Vom „Tempio di Ericole“ (Heraklestempel) gelangt man über eine Brücke zum „Tempio di Giove Olimpico“ (Zeustempel), von welchem ich einen Abstecher zum „Ginnasio“ mache. Ich folge einem Feldweg und finde mich plötzlich in der völligen Pampa wieder. Beim Voranschreiten komme ich zu einem verfallenen Haus, bei dem ein Fußweg hinab führt, an dessen Ende ein Seil mit Schild „no trespassing“ gespannt ist. Ich gehe sicher nicht mehr zurück, sage ich mir und entdecke ein Stück weiter Stufen mit eben gleichem Verweis, den ich einfach missachte. Oben angekommen erblicke ich den „Tempio dei Dioscuri“ (Dioskurentempel), den letzten vor dem Ausgang.

Nach der gut 3-stündigen Tour fahren wir nach „Scala dei Turchi“, einen imposanten Felsen, der aus Mergel (Sedimentgestein) besteht und unzählige Touristen anzieht. In einem nahen, direkt am Meer liegenden Restaurant, kommen wir mit dem Kellner ins Gespräch, der gut Deutsch spricht, da er viele Jahre in Essen gelebt hat. Nach Bezahlung der stark überteuerten Rechnung – wohl die gute Lage – geht es ins Hotel, welches sich seine Lage ebenfalls vorzüglich vergüten lässt. In der Nacht, in welcher ich kaum ein Auge zubekomme, da mein Freund mir im 10 Minutentakt erklärt, dass hier alles aus Kunstfaser ist und er morgen die Krätze hat, beschließen wir, zukünftig die Lage im Vorhinein besser zu prüfen.

© Sylvia Eugenie Huber 2021-10-31

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.