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Her name is Bella

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Her name is Bella | story.one

Als ich am Morgen aufstehe und die Vorhänge zurückziehe, werden meine Mundwinkel ganz plötzlich von der Schwerkraft nach unten gezogen. Was ist denn das bitte schön? Wo ist der wunderschöne Sonnenaufgang am Meer wie die Tage zuvor? Bewölkung und erneut Wind – das brauche ich wirklich nicht! Aber das Wetter kann man halt nicht ändern, jetzt mal etwas frühstücken, damit sich mein Gemüt zumindest beruhigt.

Nach dem Abwasch sieht die Lage keinesfalls besser aus, daher suche ich im Wanderreiseführer eine kurze Route raus. Am Weg sehe ich einen Mirador, der mich zu einem spontanen Anhalten bewegt. Doch als ich aussteige, bekomme ich einen Windstoß mit gefühlter Kälte vom Nordpol entgegengeweht, sodass ich nach nur drei Fotos förmlich ins Auto springe. Shit! Das Wandern kann ich heute vergessen, da erfriere ich ja!

Okay, der Autostopper gestern sagte, dass es an der Küste immer viel wärmer ist, dann eben Plan B – runter zum Meer. In La Rajita angekommen bläst der Wind immer noch ordentlich, aber es hat tatsächlich gleich 9°C mehr. Gerade als ich mein Handy zum Fotografieren herausholen will, kommt mir ein Jack Russel entgegen, den ich als Hundeliebhaberin sofort meine Hand zum Beschnüffeln hinhalte.

„Her name is Bella“, sagt mir eine Männerstimme. „Cute dog. And where are you from?“ erkundige ich mich beim Besitzer der Stimme. „I’m living in Italy, but basically I’m from Germany“, antwortet er mir. „Dann können wir ja auch Deutsch sprechen“, erwidere ich lächelnd.

Ich erfahre, dass er früher Pilot war, allerdings mit 45 Jahren entschloss, dieser Arbeit nicht weiter nachzugehen und sich danach ein Haus in Italien kaufte, wovon 2 Wohnungen zur Vermietung als Einnahmequelle dienen. In den Wintermonaten verbringt er die Zeit meist auf den Kanaren und lebt aufs Minimum reduziert in seinem Auto. Wow, schon wieder ein Aussteiger, denke ich mir. Soll das etwa ein Zeichen vom Universum sein?

Nach ca. 30 min des Plauderns hat es so weit aufgerissen, dass ich nun eine Runde wandern gehen kann. Nach meiner Rückkehr ist sein Wagen leider nicht mehr da. Auf dem Weg zu meinem Apartment fährt jedoch ein Auto sehr langsam vor mir und gerade als ich es überholen möchte, sehe ich, dass es ein „I“ auf der Nummerntafel hat. Der Fahrer möchte mich überholen lassen und fährt bei einem Mirador rechts ran, doch ich bleibe auf gleicher Höhe stehen und lasse meine Scheibe runter.

„Sylvia, das gibt es ja nicht!“, ruft er aus seinem Wagen. „Ich habe tierisch Hunger und möchte nach Santiago Essen fahren.“ „Toll, ich komme mit und fahre dir hinterher!“

Beim Restaurant angekommen macht es sich Bella auf meinem Schoß bequem, wohl auch, um etwas von meinem Teller abzubekommen. Wir reden über Gott und die Welt und im Flug ist es finster und frisch geworden. Da ich noch 1 Woche auf dem Eiland verweilen darf, tauschen wir unsere Nummern aus.

Reisen ist eine tolle Möglichkeit interessante Menschen zu treffen und komplett aus Spontanität zu agieren. Das liebe ich am Reisen.

© Sylvia Eugenie Huber 2020-12-26

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