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Kultur und Folter in Prag

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Kultur und Folter in Prag | story.one

„Du Sylvia, ich habe im Flugblatt ein günstiges Angebot für ein Wochenende in Prag gesehen. Hast du Lust hinzufahren?“ Natürlich wollte ich das, denn ich hatte die Hauptstadt Böhmens zuvor noch nicht besichtigt, die für ihre wunderschöne Architektur als auch Historie bekannt ist.

Bei Sonnenlicht schimmern die Sandsteintürme goldfarben, wodurch man Prag auch den Namen „Goldene Stadt“ gab. Eine andere Erzählung meint, dass das Vergolden der Türme der Prager Burg durch Kaiser Karl IV. hierfür namensgebend wäre.

Von dem im 14. Jahrhundert errichteten Wahrzeichen Karlův most, der Karlsbrücke, welche über die Moldau führt und die Altstadt mit der Kleinseite verbindet, begannen wir mit unserer Sightseeingtour. Ab der Salvatorkirche am Kreuzherrenplatz in der Prager Altstadt ging es hinüber zum gotischen Torturm, Kleinseitner Brückenturm, zur barocken Kostel sv. Mikuláše, der St.-Nikolaus-Kirche und weiter zur Pestsäule.

Der Stadtteil Hradčany grenzt westlich an die Prager Burg, welche als das größte geschlossene Burgareal der Welt gilt. Kämpfende Giganten zieren das Eingangsportal des Ehrenhofs, wo jede Stunde eine zeremonielle Wachablösung der Burgwache stattfindet. Das größte Kirchengebäude Tschechiens, der Veitsdom, der nach dem Vorbild französischer Kathedralen errichtet wurde, befindet sich ebenfalls innerhalb dieses Areals. Östlich davon steht das Kloster St. Georg mit seiner knallroten St.-Georgs-Basilika und wenn man ein Stück weitergeht, dann folgen weitere knallbunte Hausfassaden der sogenannten Zlatá ulička, dem Goldenen Gässchen. Angeblich sollen hier einst Alchimisten für Kaiser Rudolfs II. Gold beziehungsweise den Stein der Weisen erzeugt haben, weshalb die Gasse auch Alchimistengasse oder Goldmachergasse genannt wird.

Auf dem Rückweg kamen wir bei einem Museum vorbei, wo meine Freundin unbedingt reinschauen wollte – ein Foltermuseum. Die dort auf Bildern dargestellten Grausamkeiten als auch ausgestellten Folterwerkzeuge waren ein harter Kontrast zu den zuvor gesehenen Bauwerken. Einerseits ist der Mensch fähig, seine schier grenzenlose Kreativität in außergewöhnlicher Kunst auszudrücken und andererseits zeigt sich jener uneingeschränkte Ideenreichtum auch bei der Erfindung von Tortur.

Als wir danach zum Abendessen in ein Restaurant einkehrten, freuten wir uns eigentlich auf leckere böhmische Gerichte, die ja auch der österreichischen Traditionsküche gleichen. Wir bekamen die Speisen auffallend schnell serviert, was nicht unbedingt das beste Zeichen ist. Die Knödel waren trocken, das Kraut ohne jeglichen Geschmack und das Fleisch von einem Tier, das wahrscheinlich an Altersschwäche gestorben war. Es schien, als wären wir in einer Touristenabsteige gelandet, die maximal die Mägen von Engländern, die Fish and Chips für Nouvelle Cuisine halten, zufriedenstellt.

Und die Moral aus der Geschichte: Nach viel Schönem folgt manchmal auch ein Desaster.

© Sylvia Eugenie Huber 2021-02-10

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