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#mailand#80tageumdiewelt

Money for the mais!

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Money for the mais! | story.one

Eine Bekannte lebte für ein halbes Jahr in Mailand und schwärmte regelmäßig von Italien und der norditalienischen Metropole, wodurch ich ebenfalls Lust bekam, mir die Stadt einmal anzusehen. Ein Arbeitskollege, der ebenfalls des Öfteren früher in Mailand war, riet mir aufgrund von gehäuften Autoeinbrüchen, unbedingt das Handschuhfach und die Laderaumabdeckung des Kofferraums offen als auch leer zu lassen, um eingeschlagene Scheiben zu verhindern.

Gemeinsam mit einer Freundin ging es an einem Juni-Wochenende in die Lombardei, in die zweitgrößte Stadt Italiens. Meinen Firmenwagen parkte ich wie empfohlen mit offenen Verdecken ohne jeglichen Inhalt zwei Straßen vom Hotel entfernt.

Beim ersten Bummeln sprang mir gleich eine komplett mit Efeu bewachsene Hausfassade ins Auge, die aussah, als hätte die Natur die Macht über den Beton übernommen. Am Domplatz „Piazza del Duomo“ thronte der imposante Mariendom „Basilica cattedrale metropolitana di Santa Maria Nascente”, die zweitgrößte Kirche Italiens und sogar viertgrößte der ganzen Welt. Trotz seiner knapp 150 Meter Länge, 89 Meter Breite und über 100 Meter Höhe wirkte dieses im barock-neugotischen Stil erbaute Kirchengebäude aufgrund seiner unzähligen Fialen, das sind spitz auslaufende Stein-Türmchen, fast lieblich.

Der markante Platz zieht natürlich massenhaft Touristen an, weshalb ihn auch Straßenkünstler nutzen, aber auch Unmengen an Tauben, die so mancher ebenfalls als Einnahmequelle sich für entdeckt haben dürfte. Denn während wir vorsichtig durch die Gefiedermassen schritten, gab ein Mann etwas Mais in die Hand meiner Freundin, wodurch die Tauben gleich auf ihr Platz nahmen, was ich selbstverständlich fotografierte. Als sie jedoch genug von den Vögeln ohne jegliche Berührungsängste hatte und den restlichen Mais zu Boden warf, um sich wieder weiterbewegen zu können, schrie ihr der Herr schon hinterher: „Money for the mais!“, wodurch wir schnell das Weite suchten.

In Schaufenstern entdeckten wir Schuhe oder besser gesagt Schühchen mit Preisen zwischen €500 und €850, doch wahrscheinlich bekommt man darin weniger Blasen. In der Einkaufsgalerie „Galleria Vittorio Emanuele II“ ist das Gebäude selbst schon Kunst – das Dach hat eine 47 Meter hohe Glaskuppel, die Böden weisen bunte Mosaike auf und am Ende befindet sich ein Triumphbogen. Die ansässigen Nobel-Geschäfte wie Prada, Versace oder Louis Vuitton, die nichts für die kleine Geldbörse sind, veranlassten uns dazu, lieber Geschäfte außerhalb des Zentrums aufzusuchen. Dort wusste man sich auch ein Zusatzgeschäft mit Touris zu machen, bekamen wir als Rückgeld anstatt 2 Euro-Münzen die alten 500 Lire, was wir leider erst später feststellten.

Am Tag der Abreise bekam ich noch fast einen Herzinfarkt, da wir das Auto nicht fanden. Doch hier war uns das Glück gnädig, hatten wir uns nur in der Straße geirrt. Mailand ist definitiv schön, doch bescheißen steht hier leider auch an der Tagesordnung.

© Sylvia Eugenie Huber 2021-03-02

Reisen

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