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#tinder#onlinedating

Treffen mit Mister Piggy und Co

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Treffen mit Mister Piggy und Co | story.one

Wir wollen dein romantischstes, skurrilstes oder spannendstes Abenteuer aus der Welt des Online-Datings hören ... na gut.

Tinder gab es damals noch nicht, ich bin ja schon ein paar JĂ€hrchen Ă€lter, aber Online-Dating sehr wohl. Vor etwa 20 Jahren war „Love.at“ gerade populĂ€r.

Ich schrieb mit einem Gleichaltrigen einige Male nett hin und her und dadurch wollten wir ein Treffen anvisieren. Voraussetzung hierfĂŒr war das Zusenden eines Fotos, da ein erst kĂŒrzlich zuvor ĂŒberstandenes Beinahe-Herzinfarkt-Erlebnis, mich etwas kritischer stimmte.

Damals meinte derjenige auch gutaussehend zu sein, beim Anblick seines Bildes dachte ich jedoch einen DoppelgĂ€nger von Weird Al Yankovic aus dem Film „UHF“ zu erblicken. Vokuhila, Oberlippenbart, TrĂ€ger-Rippshirt, wo die Brusthaare rausquollen und ein Goldketterl um den Hals. So entschied ich mich das Treffen lieber ins nĂ€chste Jahrhundert zu verschieben.

Dieser Mann wollte partout kein Foto ĂŒbermitteln und schrieb stets, dass er gutaussehe, laut seinen Freunden schöne Augen hĂ€tte und ich notfalls ja davonlaufen könnte. Da die zuvor geschriebenen Nachrichten einladend waren, stimmte ich dann dennoch einem Treffen zu.

Wir vereinbarten einen Termin in einem Kaffee eines Kinokomplexes und wollten nach einem Drink einen Film gemeinsam schauen. Als ich erschien und mir ein Mann deutete, hielt ich schon kurz inne. „Nur nichts anmerken lassen“, dachte ich mir. Er hatte strohblondes Haar, rosa Haut, etliche Kilos zu viel auf der Waage und erinnerte mich ein bisschen an Miss Piggy. Als er den Mund aufmachte, erklang eine nicht sonderlich charmante Stimme mit starkem Dialekt und auch Worten, die mit jenem, mit dem ich zuvor kommunizierte, wenig gemeinsam hatten. Hatte er vielleicht einen Ghostwriter?

Gott sei Dank lief der Film bald an und wir konnten schweigend nebeneinandersitzen. Die Verabschiedung ging schnell von statten und ich schwor mir damals nie wieder einen Unbekannten zu treffen, von dem ich, im wahrsten Sinne des Wortes, kein Bild habe.

Ein anderes Mal traf ich mich mit einem Herrn, der sowohl optisch ansprechend als auch gebildet war, jedoch schien er es mit der Sparsamkeit etwas zu ernst zu nehmen. Da ich einen Firmenwagen besaß, sollte ich doch zum Restaurant fahren und nach Konsum des Abendessens kam der Ober-Burner als er meinte: „Du scheinst eh nicht so schlecht zu verdienen, dann kannst Du das Essen ja eh selbst bezahlen“. Das tat ich auch und beschloss des Weiteren im Vorfeld Geizkragen auszusortieren.

Einen letzten Versuch gab es dann ein paar Jahre spĂ€ter beim Single-Wandern, wo die einzig positive Begegnung mit den anderen Damen war. Die Teilnehmer waren großteils Landwirte, einer schien alkoholkrank zu sein und trank schon am Vormittag mit zitternden HĂ€nden die erste Halbe und ein anderer lebte sogar noch bei seiner Mutter.

Meine Conclusio ist, dass Online-Datings definitiv nichts fĂŒr mich sind und es selbst heute noch auf „old school“ funktioniert.

© Sylvia Eugenie Huber 2021-10-06

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