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#angst#alleinesein#mitleid

Mitleid und Gruppenzwang

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Mitleid und Gruppenzwang | story.one

Geradeaus ich ging ich auf eine Tür am Ende eines schwach beleuchteten Ganges zu. Das Licht flackerte, die Wände waren vermodert. Ich begann grinsend und lachend auf den gekachelten Boden zur Tür zu hüpfen. Je näher ich kam, desto öfter flackerte das Licht. Manchmal blieb es für ein paar Sekunden ganz aus. Als ich an der Tür ankam, öffnete ich sie sofort und trat daraufhin ein.

Dahinter fand ich einen Raum. Spärlicher beleuchtet als der Gang. An der Decke schimmelte es und der Boden war verdreckt. Leise flüsterte die Musik aus den Boxen in den Ecken des Raumes in meine Ohren. Das Lied war langsam und ruhig. Jedoch konnte ich den Text nicht entziffern aufgrund des Hustens. Links und rechts an der Wand entlang standen Betten. Zugedeckt lagen Menschen darunter. Die meisten waren von mir abgewandt. Doch andere schauten mir direkt in die Augen und griffen mit ihren schwachen und unterernährten Armen in meine Richtung. Meine Freude war verblasst.

Mit ernster Miene und einem ungutem Gefühl in meiner Brust ging ich an den Betten entlang. Dabei senkte ich den Kopf. Weiter hinten im Raum fand ich ein Bett ohne Patient. Ich steuerte es an. Als ich mich draufsetzte, wurde die Musik lauter. Eine weitere Box direkt über mir hatte sich angeschaltet. Die Musik dröhnte in meinem Kopf. Die Geräusche der anderen zerrten an mir.

Doch dann hielt ich inne. Nur für einen Moment und dachte mir: “Wieso muss ich mir das anhören? Wieso kann ich nicht einer von ihnen sein? Wieso muss ich mich besser fühlen als diese armen Seelen um mich herum?” Also legte ich mich auf das Bett, unter die Decke. Ich fing an zu husten. Zwischendurch vergrub ich mein Gesicht in mein Kissen und weinte für ein paar Minuten. Das alles wiederholte ich bis ich irgendwann einschlief. Nur um morgen damit weiterzumachen, mit dem ich am Tag davor aufgehört hatte.

© Taschenrechner 2021-08-03

Schattenseiten

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