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2. Akzeptanz

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2. Akzeptanz | story.one

Mein Vater hatte weder einen Abschluss noch eine fixe Arbeit und er war in politische Aktivitäten verwickelt. Mein Großvater war keineswegs begeistert von ihrer Verbindung. Als mein Papa persönlich um die Hand meiner Mama anhalten und den Segen ihres Vaters einholen wollte, wurde er nicht sehr herzlich empfangen und empört aus dem Haus gejagt. Meine Mutter war nie wirklich rebellisch, aber eins wusste sie. Wenn der Richtige kommt, um ihre Hand anzuhalten und ihre Eltern ihn nicht empfangen sollten, dann würde sie trotzdem mit ihm gehen, egal was komme.

Dies führte dazu, dass meine Eltern sich in ein naheliegendes Dorf wegschlichen, heimlich heirateten und bald darauf erfuhren, dass meine Mama mit mir schwanger war. Damals war sie 20 Jahre jung und studierte Medizin. Mit meinen 21 Jahren, kann ich mir gar nicht vorstellen ein Kind zu haben, noch weniger die damit verbundene Verantwortung aufzubringen. Ist man in diesem Alter nicht gerade mal dabei sich selbst zu finden? Und wie schafft man es dem Kind genug zu bieten sowohl finanziell als auch emotional? Meine Mutter erzählte mir oft, dass damals eine andere Zeit herrschte und sie gewissermaßen gezwungen waren erwachsen zu werden. Die Lebensumstände ließen es nämlich nicht anders zu. Wie gesagt hatten meine Eltern nichts. Nicht einmal genug Geld um Windeln zu kaufen.

Während meine Mama ihr Studium fortsetzte und mein Papa versuchte uns einen Lebensunterhalt zu verdienen, verbrachte ich die meiste Zeit im Haus meiner Großeltern, die sich mit meiner Mutter wieder versöhnt hatten. Ich glaube, mit der Zeit bleibt Eltern keine andere Wahl, als die Entscheidungen ihrer Kinder zu akzeptieren, auch wenn sie sie oft nicht zu verstehen wissen. Was schlussendlich zählt ist, dass ihre Kinder glücklich sind. Natürlich wollten sie auch das Aufwachsen ihres ersten Enkelkinds miterleben. Die Tage bei ihnen waren geprägt von Warmherzigkeit, fröhlichen Festen und Gastfreundschaft. Obwohl diese besonderen Momente vergänglich waren, sie ließen alle Probleme vergessen.

Nichtdestotrotz musste mein Vater akzeptieren, dass er uns in seiner Heimat nicht die Zukunft bieten konnte, die er sich für seine Familie erträumte. Die politische Lage spitzte sich zu, Korruption, und Nepotismus prägten das Land. Er sah keine Zukunft mit politischem Engagement das zu verändern, musste erleben, dass Aktivismus sogar das eigene Leben und das Leben der Familie gefährdet. Er musste akzeptieren was ist, gehen lassen was war und Vertrauen haben in was kommt. So entschied er sich aufzubrechen und Asyl in Europa zu beantragen. Eine Reise, die sein Leben komplett verändern sollte. Er war damals 23 Jahre alt.

© Tekusha 2021-08-14

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