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#mitgefühl#wirsindnichtallein#zeitwandel

3. Menschlichkeit

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3. Menschlichkeit | story.one

Ich war schon als Kind sehr fasziniert von der Liebesgeschichte meiner Eltern und überzeugt davon, dass sie füreinander geschaffen sind. Wäre es nicht so, dann hätten sie all die Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich ihnen im Laufe ihres gemeinsamen Lebens in den Weg stellten, nicht so gut meistern können. Doch bloße Liebe und Bestimmung allein sind dabei natürlich nicht immer ausschlaggebend. Auch andere Aspekte, die sich im Laufe unserer Geschichte zeigen werden, spielen beeinflussende und entscheidende Rollen.

Die Kindheit sowie die gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen meiner Eltern spielen sich stets wie ein Film in Schwarz-Weiß in meinem Kopf ab. Obwohl seitdem gar nicht so viel Zeit vergangen ist, erscheint mir die damalige Lebensrealität sehr fern von der heutigen, besonders in Österreich.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion war es zu Schließungen von unzähligen Unternehmen und Fabriken gekommen, was auch meinen Großeltern ihre Jobs sowie versprochene Pensionen gekostet hatte. Im Land herrschte große Armut und Arbeitslosigkeit, weshalb die viele gezwungen waren ihren Unterhalt in Nachbarländern wie Türkei oder Russland zu verdienen. Das erbrachte Geld schickte man der Familie zu. Auch mein Vater war gezwungen jung Geld zu verdienen. In den Sommerferien verkaufte er gemeinsam mit seinem Bruder Produkte auf türkischen Märkten.

Die Lebensmittel im Land waren teuer und knapp, man hatte selten fließendes Wasser und aufgrund von häufigen Stromausfällen, mussten meine Eltern in ihrer Schulzeit das Lernen im Kerzenschein, eingewickelt in etlichen Decken, verbringen. Doch trotz der schweren Zeit, gab es ein herzliches Miteinander und einen grenzenlosen gegenseitigen Beistand. Daran erinnern sich meine Eltern immer wieder gerne zurück.

Ich frage mich, ob menschlicher Umgang und Empathie besonders unter verzweifelten Umständen zum Vorschein kommen. Menschen finden zueinander, wenn ihr Egoismus keine Rolle mehr spielt. Wenn alle mehr oder weniger in derselben Lage stecken. Wenn man nichts mehr zu verlieren hat außer sich selbst. Und das Einzige, auf was man zählen kann, ist aufeinander.

© Tekusha 2021-08-14

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