skip to main content

#liebe#einsamkeit#verÀnderung

4. Trennung

  • 44
4. Trennung | story.one

Ich einem Jahr werde ich so alt sein wie damals mein Vater, als er seine Heimat verließ und sich auf die Suche nach einem besseren Leben machte, als er gezwungen war es zu tun. Er entschied sich Mama und mich in der Zwischenzeit zurĂŒckzulassen um uns nicht in Gefahr zu bringen. Erst wenn alles Rechtliche sicher geregelt sei, wĂŒrde er uns erlauben nachzukommen.

Es war nicht leicht die nötigen Dokumente zu besorgen, aber trotzdem schaffte er es auszureisen, ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen. Planlos und ohne zu wissen, was genau auf ihn zukommen wĂŒrde, war Wien sein einzig klares Ziel. Im Herzen von Europa sah er seine Zukunft.

Um nach Österreich zu gelangen, gab es keine andere Wahl, als illegal die Grenze zu ĂŒberqueren. Der schwierige Teil seiner Reise beginnt also in Tschechien. Nach einigen unangenehmen Komplikationen fand er Anschluss zu einer kleinen Gruppe, die dieselbe Absicht hatte wie er, sicher und ungesehen ĂŒber die Grenze zu kommen. An der sĂŒdöstlichen Grenze von Tschechien gab es einen Weg nach Österreich, den sie nehmen sollten. Damals gab es weder Hightech Smartphones noch gĂŒnstige GPS, die einem dem Weg weisen konnten. Man hatte keine andere Wahl, als auf seine eigene Orientierung zu vertrauen und auf ein Wunder zu hoffen.

Ich frage mich, ist man sich, in so einem Zustand, ĂŒberhaupt im Klaren, dass die Möglichkeit besteht erwischt zu werden? Es ist wohl ein Überlebensmodus in dem man alles und jeden um sich herum ausblendet, auch Gedanken die nichts Positives zur Situation beisteuern. Wie in Trance folgt man der Richtung, die einem der Körper anweist.

Mein Vater war also mit der Gruppe unterwegs Richtung Grenze. Nach einigen Stunden vernahmen sie plötzlich ein GerĂ€usch in naher Ferne, das sich, je nĂ€her es kam, als lautes Hundegebell herausstellte. Von einer Sekunde auf die andere presste sich mein Vater auf dem kalten Waldboden. Um ungesehen zu werden, musste er eins mit der Finsternis des Waldes werden. Es war stockdunkel, nur das Taschenlampenlicht der Grenzwache richtete sich auf die Ă€ngstlichen Gesichter der Gruppenmitglieder. GlĂŒcklicherweise hatte sich mein Papa, eine Weile zuvor, von der Gruppe entfernt. Ihn trennte von der Gruppe ein kleiner Bach. Vergeblich hatte er zuvor versucht die andern zu ĂŒberreden auf seine Seite zu kommen. Die eng stehenden BĂ€ume hatte mehr Schutz versprochen. Die Gruppe wurde also gestellt und von der Patrouille abgefĂŒhrt.

Mein Vater blieb am Waldboden liegen. Wie lange, das wusste er nicht, denn er hatte sein ZeitgefĂŒhl verloren. Obwohl niemand in der NĂ€he war, vernahm er immer noch das laute Bellen der SchĂ€ferhunde. Schließlich rappelte sich hoch und lief. Angst, keine klaren Gedanken waren möglich, es war als hĂ€tte ihn die Besinnung verlassen.

© Tekusha 2021-08-14

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ĂŒber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.