skip to main content

#weihnachtszeit#mutterundtochter#zeitnehmen

beste Freunde wieder vereint

  • 45
beste Freunde wieder vereint | story.one

Wie jedes Jahr am Vormittag des 24. Dezembers wird die Krippe aus dem Keller hervorgeholt. Bevor sie im Herrgottswinkel aufgestellt wird, braucht es noch eine Vase mit Tannenzweigen, die als Hintergrund für die Krippe dient. Meine Mama hat eine Tiroler Krippe. Sie ist aus hellem Holz gefertigt und jede Figur ist von Hand geschnitzt. Alles ist naturbelassen. Sie hat das gute Stück vor vielen Jahren in Gröden in Südtirol erstanden.

Alle Figuren sind einzeln verpackt und in eine Schachtel geschlichtet. So ging es nun an diesem Vormittag des Heiligen Abend daran, diese Krippe aufzustellen. Zuerst den Winkel frei machen. Während dem Jahr ziert diesen Platz eine Kerze, ein Geburtstagsgeschenk ihres ältesten Gotenkindes.

Dann die Vase mit den Zweigen rein und jetzt den Stall davor hinstellen. Erst mal alles begutachten – Passen die Zweige? Den einen noch etwas nach links ziehen, den anderen noch ein bisschen drehen und Vorsicht, nicht dass noch alles samt der Vase umfällt. Wenn alles so weit passt, kommen die Figuren dran. Eine nach der anderen, langsam und achtsam, ja meditativ, auspacken und in die Krippe stellen.

Und dazwischen wieder das Gesamtbild von allen Seiten begutachten, eher bewundern und bestaunen. Alles nach und nach, bis alle Besucher rund um die heilige Familie versammelt sind. Da und dort noch mal rĂĽcken und richten und schauen und staunen.

So bleibt das Kripperl dann bis längstens Lichtmess, dem 2. Februar, stehen. Allen Kindern und auch ihren Enkeln war und ist der Stall mit samt seinem Inhalt ein wunderbares Spielzeug. Hirten, Könige und Tiere durften das Jesuskind von alles Seiten huldigen.

Heute wollte meine Mama dann ihre Krippe samt Inhalt wieder verräumen. Ich holte die Schachtel aus dem Keller, öffnete sie und nahm das Schutzpapier für die Figuren heraus… doch da erspürten meine Hände zwischen all dem weichen Papier etwas Hartes. Ich packte es aus und Mama und ich staunten nicht schlecht… war doch der Ochse in diesem Jahr von uns vergessen worden.

Ich spürte in mir so viel Wehmut und Traurigkeit. Der Ochse und all seine Kollegen verharren das ganze Jahr brav in der Schachtel. Ersehnen Weihnachten, damit sie einmal im Jahr für ein paar Wochen, das Licht der Welt erblicken… und das soll dem Ochsen in diesem Jahr verwehrt bleiben? Das konnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Ich hatte echtes Mitleid mit ihm.

So kamen wir gemeinsam zu dem Entschluss, den Ochse zu seinem besten Freund, dem Esel in den Stall zu stellen und die Krippe noch eine weitere Woche an ihrem Platz stehenzulassen.

© Ursula Daum 2021-01-23

Last CHRISTMAS

Kommentare

Gehöre zu den Ersten, die die Geschichte kommentieren

Jede*r Autor*in freut sich ĂĽber Feedback! Registriere dich kostenlos,
um einen Kommentar zu hinterlassen.