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#takeiteasy

Hanfanbau in der Kleingartensiedlung

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Hanfanbau in der Kleingartensiedlung | story.one

Meine Oma, 71 Jahre alt, aber immer noch am neuesten Stand der Zeit (außer wenn es um rechtliche Fragen des Hanfanbaus geht), besitzt einen kleinen Schrebergarten am Rande der Stadt. Auf einem sonnigen Hügel, der übersät mit zahlreichen kleinen Hütten ist, quälen Pensionierte eifrig ihre letzten Bandscheiben beim Jäten der Beete - Eine typische Kleingartensiedlung eben.

Letztes Wochenende stand die traditionelle Ostersuche an. Meine Mutter, Oma und ich kommen eine halbe Stunde vor den anderen, um die Osternester für meine siebenjährige Cousine zu verstecken. Die gefärbten Eier unterm Arm öffne ich die Türe zum Gewächshaus. Komischer Geruch. Ich suche nach der süßlich riechenden Pflanze und finde tatsächlich drei in Blüte stehende Hanfpflanzen zwischen den Tomatenstauden! Ich grinse und entscheide, dass der Osterhase wohl heuer keine Eier im Gewächshaus versteckt hat.

Mit bemüht ernsten Gesicht frage ich Oma wo sie denn die neuen Pflanzen im Gewächshaus herhat. Von ihrem Sohn, meinem Onkel. Die Blätter seien schön. Ich konnte mich vor Lachen nicht mehr halten. Meine Mutter kommt dazu und will natürlich wissen was so lustig ist. Ihr hättet ihr Gesicht sehen sollen als Oma ihr von den Hanfpflanzen erzählte. Was sie mit ihnen vorhatte, fragte sie und als meine Oma dann antwortete, dass mein Onkel ihr das Ernten beibringen wolle, stürzte eine regelrechte Schimpforgie über unregelrechtes Verhalten über meine Oma. “Aber Anbau zum Eigenverbrauch sei doch legal?”, verteidigte sich meine Oma, sie hatte doch solche Schmerzen wegen der Bandscheiben und Cannabis würde dagegen helfen, das hatte sie in einem ihrer Magazine gelesen…!

Der nächste Akt der Komödie beginnt mit der Ankunft meines Onkels und meiner Cousine. Vorerst wurde eine fröhliche Ostersuche veranstaltet, wenn auch meine Mutter auffallend breitbeinig den Eingang zum Gewächshaus versperrte. Es dauerte aber nicht lange bis meine Mutter ihren Bruder beiseite nahm und eine hitzige Diskussion entstand. Jedenfalls kamen wir dann gemeinschaftlich zu dem Entschluss, es sei das Risiko nicht wert. Es brauchte nur einen geruchsempfindlichen Nachbarn, der das Gerücht über die kleinen Gartenzäune hinweg verbreitete und mit großer Wahrscheinlichkeit hätte meine Oma dann bald eine Anzeige am Hals oder aber die Hobbygärtner würden Gefallen an dem Anbau des (Zitat meiner Oma) “Wundermittels gegen Beschwerden aller Art” finden und der Hanfanbau könnte das neue Geschäft der Gartensiedlung werden. Beide dieser Möglichkeiten erschienen uns nicht sehr erstrebenswert.

Also wurden die Pflanzen kompostiert. Aber, weil die Blätter doch so schön waren, erkämpfte sich Oma das Recht sie zu Pressen und zu Lesezeichen zu verarbeiten.

© valeriee 2021-04-07

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