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#nachbarschaft#spionage#beobachtung

Die lieben Nachbarn… nerven

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Die lieben Nachbarn… nerven | story.one

So lange wohne ich zwar noch nicht in meiner Wohnung, aber gegenüber wohnten zumindest nette Menschen. Ein Pärchen, wie es aussah. Ihn habe ich kaum gesehen, nur sie hat hin und wieder die Vorhänge zugezogen, als bei mir abends das Licht anging. Die Ära war schnell vorbei und bald darauf zogen die Nachfolger gegenüber ein … Drei junge Männer, ungefähr mein Alter. Schätzungsweise zwischen 20 und 30. Ich nehme mal an, ich mit meinen blutjungen 24, falle genau in ihr Beuteschema, zumindest ihren Blicken nach zu urteilen. Ich sollte dazu sagen, weder sie noch ich haben Vorhänge. Und ihr Wohnzimmer liegt genau gegenüber von meinem. Chaos vorprogrammiert.

Bei den alten Nachbarn bin ich gerne mal nackt durchs Haus gelaufen. War mir ja wurscht, hauptsächlich war die Frau daheim und ja, vielleicht hat sie hin und wieder gegafft, aber das hat mich nicht gestört. Jetzt laufe ich nicht mehr so gerne nackt durchs Haus. Ich meine, da drüben laufen drei, wahrscheinlich noch pubertierende junge Männer herum. Ihr Testosteronspiegel muss sich ja auf dem Niveau von einem rolligen Stier befinden.

Darüber hinaus achte ich sehr auf meinen Körper. Ich trainiere mehrmals die Woche und am liebsten tanze ich! Dabei bewege ich mich in Richtung Streetdance oder Freestyle. Ganz zu Freuden der Nachbarn, wie mir scheint. Habe ich mich erst mal in meine Hip-Hop-Klamotten geworfen mit Schlabberhose und bauchfreien Top, kleben die drei mit ihren Nasen so dicht an den Fensterscheiben wie ein Kind, das zu Weihnachten aufs Christkind wartet. Das ist schon hin und wieder unangenehm. Ich möchte nicht so begafft werden. Da könnte ich ja genauso gut ins Fitnessstudio gehen und mich direkt in die “Auslage” stellen. Vorhänge möchte ich mir auch keine zulegen … Finde es ganz angenehm ohne und habe mich schon daran gewöhnt.

Ich traue mich noch nicht mal mehr, nur in Unterhose und mit T-Shirt durch die Wohnung zu gehen, selbst da erkennt man plötzlich ihre Gesichter vor den Scheiben aufwachsen. Ich jedoch muss mir ihre nackten Oberkörper ansehen. Der Erste ist von oben bis unten tätowiert und beim anderen könnte man meinen, er sei noch minderjährig. Allesamt laufen sie Tag für Tag oben ohne durch ihre Küche … das machen die sicher absichtlich, um mir damit zu sagen: Tja, das kannst du jetzt nicht mehr und wenn, sehen wir es genau.

Aber die Nachbarn haben sich nun etwas Neues überlegt. Sie haben eine Streifenfolie auf ihre Fenster montiert. Nun kann ich nicht mehr sehen, ob sie mich beobachten, aber ich bin mir sicher, sie sehen alles. Dabei trainiere ich nun abends bereits im Dunklen ohne Licht, um ihre Spechtelaktionen zu unterbinden. Furchtbar. Sie erkennen mich nun sogar schon auf der Straße. Bisher hatten wir noch nicht das Vergnügen uns vorzustellen. Dennoch werde ich jedes Mal von ihnen sehr freundlich begrüßt und breit angegrinst, wenn ich an einen von ihnen vorbeigehe. Ich möchte nicht wissen, was die so alles mitbekommen. Es wäre wohl doch besser Vorhänge anzuschaffen.

© Victoria F. Edlinger 2021-07-21

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