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#airlines#flugbegleiter

Über den Wolken - gestriegelt und frisiert Teil 1

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Über den Wolken - gestriegelt und frisiert Teil 1 | story.one

5:20 der Wecker läutet. Wie immer, wenn ich Dienst habe, ist mein Zeitplan eng bemessen, also quäule ich mich aus dem Bett und sofort hinein in die roten Strumpfhosen. Rote Schuhe, eng anliegendes, rotes Kleid, zuerst die Weste, dann der Blaser darüber, natürlich beides in Rot. Halstuch binden und zurechtzupfen. Die Nägel habe ich schon am Vortag rot lackiert, fehlt nur noch schwarzer Mascara, Puder für ebenmäßige Haut und der rote Lippenstift. Ich spitze die Lippen und male die Kontur. Haare zusammenbinden nicht vergessen. Aber nicht irgendwie, ein Pferdeschwanz ist keine Flugfrisur. Ich tu's trotzdem und flechte den Rest einfach, das muss reichen.

Das Briefing ist schnell vorbei. Unsere Senior, die Ranghöchste, fragt noch die Feuerlöscher-Positionen am Airbus A320 ab, mit dem wir heute fliegen. Sicherheitskontrolle passiert und schon startet der Check an Bord. Mittlerweile alles Routine. Nun startet das Boarding. Ich habe Position 4, das heißt, ich steh ganz hinten und wenn ich keine Lust auf die Begrüßungszeremonie habe, kann ich es mir in meiner Galley, also der Bordküche, gemütlich machen. Diesmal stelle ich mich aber in den Gang neben die Toilette, verschränkte die Finger hinter meinem Rücken und setze mein Arbeitslächeln auf. “Willkommen an Bord”, werfe ich dem Passagier vor mit entgegen, obwohl er die Begrüßung bestimmt schon von drei anderen FlugbegleiterInnen gehört hat. Er nimmt kaum Notiz von mir. Der nächste Passagier bekommt ein herzliches “Schön, dass sie mit uns fliegen”, ein bisschen Abwechslung muss sein. Nach sieben verschiedenen Begrüßungsphrasen fange ich wieder bei der ersten an, bis alle Passagiere ihren Platz gefunden haben.

Safety Demo, das berühmte: “Die Notausgänge befinden sich…” und anschließendes Deuten der Fluchtwege, auf das alle Passagiere ganz gierig zu warten scheinen.

Ich kette mich mit vier Gurten in meinen Jumpseat und die Maschine erhebt sich. Als die Anschnallzeichen erlöschen, springen alle wie von der Tarantel gestochen auf und bilden eine Schlange vor dem Klo. Damit ich meine Ruhe habe, ziehe ich die Vorhänge zu. Einstweilen muss ich meinen Trolley für das Service vorbereiten. Ich hole eine Plastiklade heraus und stelle sie oben auf den Trolley. Saftpäckchen aufstellen, den frischen Tee und Kaffe dazu, fertig. Meine Kollegin von Nummer zwei hat sich einstweilen den Weg zu mir an der Kloschlange vorbei gebahnt und hilft mir, den Wagen nach vorne zu schieben. Unser Service kann starten.

© Victoria F. Edlinger 2021-05-04

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