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#normalanders#mutmacher

Ich will noch nicht sterben

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Ich will noch nicht sterben | story.one

"Ja hallo, du bist schon fast hier?", rief ich laut jede Minute in mein Handy, obwohl ich keinen Empfang hatte! In der anderen Hand mein Buschmesser - so ging ich mehr als eine Stunde im Kreis herum. Es ist zwei Uhr morgens, ich bin allein in meiner LehmhĂŒtte, die Wand ist eingeschlagen und mein Herz rast nur so vor Angst: "Lieber Gott, bitte lass sie nicht zurĂŒckkommen. Ich will noch nicht sterben!"

Es war ein ganz normaler Freitag Abend im Herzen Afrikas. Heute konnte ich meinen Laptop aufladen und so nutzte ich die frĂŒhe Nacht, um meine Fotos von der Kamera auf den Computer zu ĂŒbertragen. Ich ging spĂ€t ins Bett - also auf meine Luftmatratze. Meinen Laptop ließ ich in meinem "Wohnraum" auf dem Tisch. Ich war zu mĂŒde um ihn wieder ein zu packen und hinter meine Luftmatratze zu vestauen.

"Krrrrr", ein GerĂ€usch riss mich aus dem Schlaf. "Schon wieder die Ratten", dachte ich mir. Plötzlich hörte ich meine EingangstĂŒr (zwei zusammen genagelte Bretter) knarren. FĂŒr ein paar Sekunden war ich wie erstarrt. "Jemand ist hier", ging es mir im Kopf herum: "Was, wenn er auch meine ZimmertĂŒr aufbricht und mich angreift?"Meine Hand suchte nach der Taschenlampe, die andere griff nach meinem Buschmesser neben dem Bett. "Beweg dich! Du schaffst das! Du musst sie verjagen!", sprach ich zu mir.

Endlich kam ich wieder zu mir. Die Sekunden kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Nun knipste ich meine Taschenlampe an, hielt mein Buschmesser fest in der Hand und stand auf. Wieder hörte ich GerĂ€usche. Die TĂŒr knarrte noch einmal. Langsam trat ich in meinen Wohnraum.

Die HaustĂŒr stand offen, die Lehmwand eingeschlagen, von einem weiteren Fenster (Bretterverschlag) zog die kalte Nachtluft herein. Ich sah um mich und bemerkte, dass mein Laptop nicht mehr da war, das Ladekabel lag jedoch genau dort, wo ich es gelassen hatte. Auch meine Kamera und ein Rucksack waren weg.

Erst jetzt schrie ich nach meinem WĂ€chter, der ja eigentlich dafĂŒr da war, um auf zu passen in der Nacht! Ich schrie noch etwa zehn Mal bis er endlich daher gelaufen kam. Er hatte geschlafen!

Was nun? Ich wusste nicht was tun. Ich hatte Angst, dass sich die Diebe noch in der NĂ€he aufhielten und nur warteten um mich zu attackieren. Aber wir brauchten Hilfe. Wieder kein Handyempfang! Papa Fabien wohnt ein paar Kilometer weit weg. "Was, wenn ich den WĂ€chter schicke, aber sie wĂ€hrenddessen zurĂŒck kommen? Ok, wir mĂŒssen es einfach riskieren", ich schickte ihn los. "Lauf so schnell du kannst", rief ich ihm noch zu.

Nun stand ich hier voller Todesangst. In meinem Kopf spielten sich furchteinflĂ¶ĂŸende Szenen ab. Ich tat so, als wĂŒrde ich telefonieren und hielt gleichzeitig mein Buschmesser in der Hand. Es dauerte noch ĂŒber eine Stunde bis Hilfe kam!

Ich ĂŒberstand die Nacht. Nach vielen Monaten erhielt ich meine Sachen, zwar beschĂ€digt, wieder zurĂŒck. Die Diebe kamen aus einem anderen Dorf und wollten ihre Chance bei der einzigen "Weißen" in der Region nutzen.

Seitdem habe ich alles dreifach verriegelt und einen neuen WĂ€chter!

© WaaleWaana 2020-09-11

mutmacher

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