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#mut#respekt#vertrauen

Papa Fabien

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Papa Fabien | story.one

Denk an eine Person, der du blind vertrauen kannst. Eine Person, die dieselben Ziele, wie du, hat. Eine Person mit der du dich ĂŒber die Arbeit aber auch ĂŒber Privates stundenlang austauschen kannst. Eine Person, die die Arbeit so sehr liebt wie du und eine Person, die genau wie du, ihr Leben fĂŒr die Zukunft der Kinder gibt, die es am dringendsten benötigen. Diese Person heißt fĂŒr mich Papa Fabien!

Papa Fabien lernte ich bei meiner ersten Reise ins Herz des Kongos im JĂ€nner 2013 kennen. Damals war ich mir seiner FĂ€higkeiten noch nicht bewusst und ich wusste auch noch nicht, dass er eines Tages der Wichtigste von all unseren MitarbeiterInnen vor Ort sein wĂŒrde. Eines wurde mir aber gleich zu Beginn klar: Er war ein guter und gutmĂŒtiger Mensch, der einen respektvollen Umgang mit seinen Mitmenschen pflegte und dafĂŒr von allen selbst gut respektiert wurde.

Zu dieser Zeit hatte Papa Fabien keinen regelmĂ€ĂŸig bezahlten Job. Er war einfach Fotograf. In Tshumbe war jeder Fotograf, der eine kleine Digitalkamera und ein mobiles kleines FotodruckgerĂ€t besaß und das waren nicht so viele. Papa Fabien hatte Verwandte in Kinshasa und dadurch das GlĂŒck solch ein GerĂ€t zu besitzen, um mit den Einnahmen so ein wenig seine Familie zu versorgen.

Foto machen tat er schon lange, ja sogar um die Jahre 2000 herum, in der die Rebellen Tshumbe einnahmen. Noch heute erzĂ€hlt er mir so manches Mal Geschichten darĂŒber, wie sie Tshumbe nicht verlassen durften und in Angst und Schrecken lebten. TĂ€glich wurden Frauen von den Rebellen vergewaltigt oder zu Tode gequĂ€lt. MĂ€nner zu Arbeiten gezwungen und dazu verbannt den Mord ihrer Frauen und Kinder mit anzusehen. Kleine Kinder wurden zu Kindersoldaten rekrutiert und wenn sie nicht folgten, wurden sie erschossen. Papa Fabien versuchte sich in dieser Zeit so gut es geht von den Rebellen fernzuhalten, doch eines Tages verlangten sie nach ihm. Ein Fotograf wurde gesucht und Papa Fabien’s Name war gefallen. So wurde er zum unbezahlten Fotografen der Rebellen. Ob er es wollte oder nicht – er musste alles fotografieren, was sie ihm befahlen. Vor allem aber wollten sie Nachweiße ihrer GrĂ€ueltaten und verlangten so, dass er Morde, die sie begingen, fotografierte. Wenn er nicht wollte, hielten sie ihm das Buschmesser an die Kehle. Papa Fabien musste mitansehen und fotografieren, wie Menschen enthauptet wurden, ihnen die Haut abgezogen wurde oder ihnen Gliedmaßen entfernt wurden. Oft musste er sich ĂŒbergeben, doch er folgte, denn zu groß war seine Angst, selbst ein Todesopfer zu werden.

Heute ist Papa Fabien der Regionalkoordinator unserer Organisation „Zukunft fĂŒr Tshumbe“ in Tshumbe und fĂŒr uns eine unabdingbare Person. Von all seinen guten QualitĂ€ten schĂ€tze ich am meisten seine Ehrlichkeit und seinen respektvollen und empathischen Umgang mit jedem, dem er begegnet. Wir sind Ă€ußerst froh, dass wir Papa Fabien haben und danken ihm fĂŒr seinen unermĂŒdlichen Einsatz fĂŒr die Menschen, aber vor allem Kinder in Tshumbe!

© WaaleWaana 2021-08-15

Der Sinn des Lebens

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