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#mut#familienwahnsinn

Papa Koko

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Papa Koko | story.one

Jean W. ist einer meiner mittlerweile 285 Kinder in Tshumbe. Er hat, wie jedes Kind bei uns,in seinem kleinen 12-jĂ€hrigen Leben schon so einiges an Leid durchgemacht. Am liebsten hat er aber seinen Opa, Papa Koko. Er ist der Einzige, der ihn nie verlĂ€sst. Jean’s Mutter ist bereits verstorben, wer sein Vater ist, ist unbekannt, aber eines ist sicher: Papa Koko ist immer da!

Papa Koko ist ein liebenswĂŒrdiger Mann. Sein Alter weiß er selbst nicht und auch der Rest der Familie hat keine Ahnung wie alt er sein könnte. Sicher ist aber, dass er zur Zeit, als die D.R.Kongo eine belgische Kolonie war, bei den belgischen Missionaren als Maurer arbeitete. Gemeinsam mit ihnen baute er die Kirche in Tshumbe, die aus rot gebrannten Ziegeln besteht. Also muss er schon ĂŒber 70 bis 80 Jahre alt sein.

Dieses Jahr kam es leider so, dass viele, viele MilitĂ€rssoldaten nach Tshumbe geschickt wurden. Ein schlimmer familiĂ€rer Vorfall war der „Vorwand“ dafĂŒr, dass sie nun Tshumbe fĂŒr mehrere Monate besetzten. Anstatt die Bevölkerung zu beschĂŒtzen, war aber das Gegenteil der Fall. Alle lebten in Angst und Schrecken. Eine Ausgangssperre wurde verhĂ€ngt und wenn man nach 19.00 Uhr nicht in der eigenen LehmhĂŒtte war, wurde man vom MilitĂ€r ausgepeitscht. Frauen, die Hosen trugen, wurden auf die „Wache“ gebracht, geschlagen und vergewaltigt. Auch ich war zu dieser Zeit Ă€ußerst behutsam und verließ unser GelĂ€nde nicht. Besonders meine alleinerziehenden Mitarbeiterinnen hatten große Angst zu Hause, denn in der Nacht klopften die Soldaten an den TĂŒren der alleinstehenden Frauen. Wenn du als Frau aufmachst, stĂŒrmen sie herein, reißen deine Kleider vom Leib und vergewaltigen dich nacheinander. Niemand kann einer Frau dabei helfen, denn die Soldaten sind schwer bewaffnet und gehen gegen jeden vor.

An einem Morgen in unserer Schule bemerkte ich, dass es Jean nicht gut ging. Er war den TrĂ€nen nah und ich holte ihn aus der Klasse, um ihn zu fragen, was denn los sei. Draußen konnte er die TrĂ€nen nicht mehr zurĂŒckhalten und erzĂ€hlte mir, dass sein Opa im Krankhaus (das auch nur aus ein paar Baracken besteht) sei. Am Vorabend ging ein Nachbar kurz nach 19.00 Uhr an ihrem GrundstĂŒck vorbei und wurde in diesem Moment von den Soldaten gepackt. Papa Koko schritt ein, wollte seinen Nachbarn verteidigen und um Nachsicht bitten. So etwas tolerierten diese nicht und peitschten den alten Mann völlig aus. Jean musste dies mitansehen und wollte seinem Opa zu Hilfe kommen, doch dann kam auch ein Soldat auf ihn zu und ihm blieb nichts anderes mehr ĂŒbrig als so schnell wie möglich zu laufen und sich zu verstecken. Die PeitschenschlĂ€ge verfolgten ihn bis in die Nacht und in der FrĂŒh wurde sein Opa ins Krankenhaus gebracht, da er blutĂŒberströmt war.

Ich nahm Jean fest in die Arme, hoffte und betete gemeinsam mit ihm, dass Papa Koko es schaffen wĂŒrde.

Und Gott sei Dank, er ĂŒberlebte es und seine Wunden heilten nach einiger Zeit, doch dieses Erlebnis werden er und Jean mit Sicherheit nie vergessen!

© WaaleWaana 2021-08-13

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