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Renaissance der Postkarte

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Renaissance der Postkarte | story.one

Nach der Arbeit leere ich den Briefkasten. Unter anderen fällt mir eine Postkarte in die Hände. Eine Ansicht von Wien. Drehe sie um. Ein paar Zeilen von meinem Sohn. Unterschrieben von Jan und Julia. Mein Sohn und seine Freundin haben dieses analoge Grußinstrument offensichtlich wiederentdeckt. Er meint, es wäre eines Tages eine schöne Erinnerung an seine Studienzeit in Wien. Wie mich diese Karte freut. Die letzte erhielt ich vor über 10 Jahren von einem Freund aus Pakistan. Er hat damit seine Reise in den Hindukusch damit dokumentiert. Als ich im Alter meines Sohnes war (24) war das Postkartenschreiben noch ziemlich in. Der Klassiker aus dem Urlaub. Für viele ein Muss. Die Verwandschaft zu Hause soll unbedingt wissen, wo ich gerade bin. Umso ferner umso wichtiger das den Zuhausegebliebenen mitzuteilen. Grins. Ich habe mich auch dieser Kultur hingegeben. Mein erster Urlaub auf Korsika. Oder meine erste Flugreise nach Istanbul. Oder aus dem Zwergstaat in den Pyrenäen Andorra. So eine Karte bekamen wohl die wenigsten. Herrlich, wenn ich daran zurückdenke. Und auf einmal war das alles mal weg. Die Postkarten fristen wohl ein Stiefmütterchendasein. Vielleicht haben noch die japanischen Touristen eine Passion dafür? Ich weiß nicht, die sind wohl digitaler als digital. Vor 25 Jahren beobachtete ich in Vaduz, Fürstentum Liechtenstein, wie eine Traube von japanischen Touristen über einen Ständer voll Ansichtskarten herfielen. Und beinahe leer räumten. Klar, in deren knapp bemessenen Rundreisezeitfenster kann man nicht alles selber fotografieren. Musste herzhaft lachen. Welch Bild das war.

Die Idee von meinem Sohn und seiner Freundin finde ich fantastisch. Werde dieser Tage mal googeln. Digital. Ist halt einfacher ein passendes analoges Album zu finden. In welchem wir die Karten dann dokumentieren. Freue mich schon auf möglichst viele dieser Karten. Dieses Album kann ich aber auch auf herkömmliche analoge Weise finden. Klar. Auf zu Thalia. Herrlich. Ich werde mir ein besonderes einmaliges Album aussuchen. Etwas für die Ewigkeit. Oder so ähnlich.

© Walter Tiefenbacher 2021-02-23

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